Rund 10.000 Menschen werden am Sonntag zu einer Klimademonstration in Stockholm erwartet. Nach Angaben der schwedischen Polizei und der Veranstalter ist es der größte derartige Protest seit Jahren, mobilisiert wird drei Wochen vor der Reichstagswahl am 13. September. Startpunkt ist der Vasaparken im Zentrum der Hauptstadt, der Zug soll über den Sergels torg zum Gustav Adolfs torg führen.

Getragen wird der Aufruf von rund 200 Nichtregierungsorganisationen und Verbänden, darunter Gewerkschaften, Kirchen, Sport- und Jugendverbände sowie Menschenrechtsgruppen. Federführend sind die Naturskyddsföreningen, die Rebellmammorna, die Rebellpapporna und das Forschungsnetzwerk Researchers Desk. „Noch nie haben so viele Organisationen an einer schwedischen Klimademonstration teilgenommen“, sagte Beatrice Rindevall, Vorsitzende der Naturskyddsföreningen, gegenüber der englischsprachigen schwedischen Zeitung The Local. „Das Engagement ist enorm.“ Zuvor hatte eine Klimademo derselben Trägerkoalition im April 6.700 Teilnehmer nach Stockholm gebracht.

Die Klimakrise ist real, und sie ist da. Es ist Zeit für eine Klimapolitik, die die Emissionen jetzt senkt.
- Beatrice Rindevall, Naturskyddsföreningen, gegenüber The Local

Der Protest richtet sich gegen den Kurs der Mitte-Rechts-Regierung unter Ministerpräsident Ulf Kristersson, die seit Oktober 2022 mit den Schwedendemokraten als Tolerierungspartner regiert. Kristersson hat die Steuer auf Benzin gesenkt, die Beimischungsquote für emissionsarme Kraftstoffe reduziert und Empfehlungen einer Regierungskommission zurückgewiesen, fossile Brennstoffe über Steuererhöhungen auszuphasen. Anfang 2026 wurde zudem das Umweltministerium abgeschafft und die Kaufprämie für Elektroautos gestrichen.

Ökonomen und Klimaforscher warnen seit Monaten, dass Schweden damit die eigenen Emissionsziele verfehlt. Der Verkehrssektor soll bis 2030 gegenüber 2010 um 70 Prozent weniger CO2 ausstoßen, bis 2045 will das Land klimaneutral sein. Beide Ziele gelten nach aktuellem Politikkurs als kaum noch erreichbar.

Klima als Wahlkampfthema

Der Zeitpunkt der Demonstration ist kein Zufall. Eine Umfrage des Instituts Verian im Auftrag des öffentlich-rechtlichen Senders SVT nennt Klima für 37 Prozent der Wählerinnen und Wähler als eines der wichtigsten Themen der Wahl, hinter Gesundheit, Bildung, Kriminalität und Altenpflege. In den Sonntagsfragen liegt das rot-grüne Oppositionslager um Magdalena Anderssons Sozialdemokraten aktuell rund 6,8 Prozentpunkte vor dem Regierungsblock. Der Anteil unentschiedener Wähler ist mit rund 20 Prozent ungewöhnlich hoch.

Rindevall verband den Aufruf mit einer klaren Botschaft an die Parteispitzen: „Es ist Zeit für eine Klimapolitik, die die Emissionen jetzt senkt“, sagte sie The Local. Die Konrad-Adenauer-Stiftung wies in einer Analyse zur Wahl darauf hin, dass die Legislaturperiode nach dem 13. September genau jene Jahre umfasst, in denen Schweden seine Klimaziele bis 2030 erreichen müsste.

Für Schweden markiert der Sonntag eine bemerkenswerte Rückkehr des Themas auf die Straße. Bei der letzten großen Demonstration im September 2023 zogen laut taz etwa 4.000 Menschen durch Stockholm. Die diesjährige Beteiligung liegt nach Schätzungen der Veranstalter deutlich darüber. Auf der Bühne im Vasaparken sind unter anderem Auftritte der Sängerinnen Marit Bergman und Siw Malmkvist angekündigt.