Am Donnerstag um zehn Uhr wird Jürgen Klopp im Presseraum des DFB-Campus in Frankfurt zum ersten Mal als Bundestrainer eine Kaderliste verlesen. Der Auftritt ist so etwas wie der offizielle Beginn der Klopp-Ära nach dem Rücktritt Julian Nagelsmanns Anfang Juli. Anders als bei seinen Vorgängern sollen deutlich mehr Namen fallen als üblich: Wie ZDFheute, Sportschau und Sky übereinstimmend berichten, plant Klopp einen Kader von bis zu 30 Spielern - sieben mehr, als die UEFA für ein Nations-League-Aufgebot vorschreibt.
Der Grund liegt im Spielplan. Zwischen dem 24. September und dem 4. Oktober bestreitet die Nationalmannschaft vier Länderspiele in elf Tagen: das Auftaktduell gegen die Niederlande in Amsterdam, drei Tage später Griechenland in Augsburg, dann am 1. Oktober Serbien in München, zum Abschluss am 4. Oktober das Rückspiel gegen Griechenland in Thessaloniki. „Es wird sicher kein Spieler in allen vier Partien über nahezu 90 Minuten zum Einsatz kommen“, hatte Klopp bereits zu Beginn der Woche der Sportschau gesagt. Die UEFA erlaubt dem Trainerteam, den 23-Mann-Kader vor jedem Spiel zu verändern - ein Passus, den Klopp offenbar konsequenter nutzen will als alle Bundestrainer vor ihm.
Debütanten und Streichkandidaten
In den Berichten der vergangenen Tage tauchen mehrere Namen auf, die es erstmals in ein A-Nationalmannschafts-Aufgebot schaffen sollen. Als sicher gilt der Kölner Angreifer Saïd El Mala, dessen Wechsel von Elversberg zu Köln im August für 50 Millionen Euro über die Bühne ging. Auch Younes Ebnoutalib von Eintracht Frankfurt gilt der Sportschau zufolge als Überraschung im Angriff. Als „echte Sensation“ bezeichnet ran den 23-jährigen Elversberger Felix Keidel, der nur wenige Tage nach dem Aufsehen erregenden 2:1 des Aufsteigers gegen den FC Bayern seinen ersten DFB-Ruf erhalten soll.
Es wird sicher kein Spieler in allen vier Partien über nahezu 90 Minuten zum Einsatz kommen.
Umgekehrt fehlen laut ran mehrere WM-Fahrer aus dem Sommer. Deniz Undav, der in North Carolina drei Tore erzielt hatte, soll Klopp persönlich abgesagt bekommen haben. Auch Manuel Neuer, Antonio Rüdiger, Leon Goretzka und Nick Woltemade tauchen nicht auf den Vorablisten auf. Im Tor deutet fast alles auf Marc-André ter Stegen als neue Nummer eins hin; Hoffenheims Oliver Baumann, unter Nagelsmann noch Stammkeeper, dürfte nicht eingeladen werden. „Ja, ich hatte Kontakt mit ihm“, sagte Baumann laut ZDFheute. „Alles Weitere wird er am Donnerstag sagen.“
Was Klopp am Donnerstag erklären muss
Ganz risikofrei ist der XXL-Ansatz nicht. Wer 30 Profis nach Herzogenaurach zum Trainingslager holt, muss ihnen begründen, warum sie hinterher womöglich keine Minute spielen. Bei seiner Vorstellung Ende Juli hatte Klopp betont, dass der Umbruch nicht die WM-Erfahrenen abservieren, sondern die Talente aus dem U17-Weltmeisterjahrgang integrieren solle. Wie sich das mit einer Nominierung verträgt, in der Undav und Woltemade fehlen und ein Elversberger Debütant vor dem Frankfurter Kapitän Robin Koch aufgerufen wird, wird Klopp im Frankfurter Presseraum erklären müssen. Der Livestream läuft ab zehn Uhr auf sportschau.de und im ZDF.