Wie wir am Mittwoch berichteten, hatte der DFB die Reise zu Jürgen Klopp öffentlich gemacht. In der Nacht auf Samstag ist sie vollzogen worden. Präsident Bernd Neuendorf und Vizepräsident Hans-Joachim Watzke trafen den Wunsch-Bundestrainer und dessen Berater Marc Kosicke in einem Hotel am John F. Kennedy Airport in New York. Das Gespräch dauerte mehr als vier Stunden, berichtet die Bild-Zeitung, laut der bei der Runde „alle wesentlichen Punkte“ besprochen worden sind. Eine Unterschrift setzten die Beteiligten nicht unter das Papier.
Klopp soll den DFB durch einen kompletten Zyklus führen - die EM 2028 in Großbritannien und die WM 2030 in Spanien, Portugal und Marokko inklusive. Beim Gehalt liegen beide Seiten nach übereinstimmenden Berichten nah beieinander. Klopp verdient in seiner aktuellen Rolle als „Global Head of Soccer“ bei Red Bull rund zehn Millionen Euro pro Jahr, der DFB zahlte Julian Nagelsmann zuletzt bis zu sieben Millionen. Klopps Bundestrainer-Salär soll darüber liegen, wie 90min unter Berufung auf mehrere Quellen schreibt, aber „nur minimal“ - Watzke hatte im ZDF bereits einen „leichten Patriotismusabschlag“ eingefordert.
Das größte Fragezeichen bleibt Red Bull, wo Klopps Kontrakt bis 2029 läuft. Nach übereinstimmenden Angaben von t-online und Eurosport wird der Konzern keine Ablöse verlangen; Klopp soll dem Getränkehersteller im Gegenzug als Markenbotschafter erhalten bleiben. In der kommenden Woche wollen Neuendorf und Watzke in New York mit Red-Bull-Vorstand Oliver Mintzlaff sprechen und die Auflösung besiegeln. Erst dann kann Klopp den DFB-Vertrag tatsächlich unterschreiben.
Alle wesentlichen Punkte sind besprochen.
Auch das Trainerteam nimmt Form an. Als erster Co-Trainer ist Peter Krawietz gesetzt, der Klopp seit Mainzer Zeiten begleitet und aktuell bei Red Bull als „Head of Soccer Philosophy“ arbeitet. Dazu soll Pepijn Lijnders stoßen, der Klopp bereits in Liverpool assistierte und zuletzt unter Pep Guardiola bei Manchester City lernte. Der neue Bundestrainer würde also seinen alten Liverpool-Stab weitgehend übernehmen.
Mertesacker soll Rettig ablösen
Neben der Trainerfrage baut der DFB die Führungsetage um. Wie Eurosport berichtet, soll Per Mertesacker Anfang 2027 die Nachfolge des scheidenden Geschäftsführers Andreas Rettig antreten. Der Weltmeister von 2014 arbeitet aktuell als ZDF-Experte und war zuvor Chef der Akademie des FC Arsenal. Rudi Völler bleibt zunächst Sportdirektor; Watzke hatte im ZDF eine positive Rücksprache mit Klopp als wichtiges Signal für Völlers Verbleib erwähnt.
Bis zum ersten Länderspiel unter Klopp bleibt gerade genug Luft. Am 22. August steigt der DFB-Supercup in Dortmund, was für den in Stuttgart geborenen und in Mainz und Dortmund groß gewordenen Trainer einem Heimspiel gleichkäme. Die eigentliche Pflichtaufgabe folgt am 24. September in Amsterdam in der Nations League gegen die Niederlande, danach warten Partien gegen Griechenland und Serbien. Bis dahin muss der Vertrag stehen, das Trainerteam komplett sein und ein erstes Trainingslager organisiert - eine straffe Rechnung, die Neuendorf und Watzke am JFK zumindest ins Konkrete geführt haben.