Jürgen Klopp hat am Donnerstagvormittag im Presseraum des DFB-Campus in Frankfurt seinen ersten Kader als Bundestrainer verlesen - und dabei den Kreis der Nationalspieler in einem Maß geöffnet, das es in der jüngeren DFB-Geschichte nicht gab. 44 Profis stehen auf der Liste, aufgeteilt in zwei Gruppen für die vier Nations-League-Partien zwischen dem 24. September und dem 4. Oktober. 13 von ihnen wurden noch nie in ein A-Aufgebot berufen, wie die Sportschau berichtet.
Die erste Gruppe umfasst 24 Spieler und tritt am 24. September in Amsterdam gegen die Niederlande und drei Tage später in Augsburg gegen Griechenland an. Die zweite Gruppe mit 21 Spielern übernimmt am 1. Oktober in München gegen Serbien und im Rückspiel am 4. Oktober in Thessaloniki. Laut Sportschau ist Torhüter Finn Dahmen aus Augsburg der einzige Profi, der in beiden Aufgeboten steht.
Freiburger Block und die Elversberg-Überraschung
Auffälligster Fingerabdruck der Nominierung ist die Präsenz des SC Freiburg. Yannik Engelhardt, Philipp Treu, Max Rosenfelder und Derry Scherhant werden zum ersten Mal für die A-Nationalmannschaft berufen, wie die Sportschau und t-online übereinstimmend melden. Dazu kommen der 23-jährige Elversberger Felix Keidel, der erst am ersten Bundesliga-Spieltag beim 3:2 gegen Leverkusen sein Erstliga-Debüt gab, sowie Bambasé Conté (Hoffenheim) und Mika Baur, der von Paderborn zu Celtic Glasgow gewechselt ist.
Klopp hatte bei seiner Vorstellung Ende Juli angekündigt, den Blick weiter zu öffnen, als das unter seinen Vorgängern zuletzt üblich war. Insgesamt 57 Feldspieler habe er beobachten lassen, hieß es damals. Die Nominierung von Keidel oder Baur ist keine spontane Wette, sondern das Ergebnis dieser Sichtung: Beide waren im Kalenderjahr 2026 in der Bundesliga oder in der Champions League regelmäßig auf dem Platz.
Es werden Spieler eine Chance bekommen, die damit noch gar nicht rechnen.
Ter Stegen zurück, elf WM-Fahrer draußen
Auf den Rückkehrer-Positionen bestätigten sich die Berichte der vergangenen Tage. Marc-André ter Stegen ist wieder die Nummer eins im Tor, wie Kicker und Bild schon am Wochenende gemeldet hatten. Joshua Kimmich übernimmt erneut die Rolle im zentralen Mittelfeld, Nico Schlotterbeck ist rechtzeitig nach seiner Verletzung wieder fit für die Innenverteidigung.
Im Gegenzug fehlen elf Spieler des WM-Kaders vom Sommer. Manuel Neuer und Antonio Rüdiger haben ihre Länderspiel-Karrieren beendet, Leon Goretzka, Angelo Stiller und Assan Ouédraogo sind laut Sportschau verletzt. Für Diskussionen dürften vor allem drei Entscheidungen sorgen: Deniz Undav, in North Carolina noch dreifacher Torschütze, ist nicht dabei; Klopp will ihn Berichten zufolge zunächst wieder in volle Form kommen lassen. Leroy Sané spielt in Klopps aktuellen Planungen keine Rolle, wie mehrere Medien übereinstimmend melden. Und Oliver Baumann, mit 36 Jahren Rückhalt beim Weltmeister, wurde durch die jüngere Torhüter-Riege um Alexander Nübel, Jonas Urbig und Dahmen verdrängt.
Zwischen dem 24. September und dem 4. Oktober warten vier Pflichtspiele in elf Tagen - so viel Nations-League-Programm hat es in einer einzelnen Länderspielperiode noch nicht gegeben. Klopps Zwei-Gruppen-Modell ist die operative Antwort darauf. Ob es zugleich der Startschuss für einen echten Umbruch mit Blick auf die EM 2028 ist, wird sich in den kommenden elf Tagen sortieren müssen: Wer in Amsterdam und Augsburg überzeugt, dürfte auch in den Länderspielperioden im Oktober und November wieder eingeladen werden.