Jürgen Klopp steht an diesem Donnerstagabend in München so unter Druck wie wohl selten in seiner Trainerkarriere. Um 20.45 Uhr empfängt die DFB-Elf in der Allianz Arena Serbien zum dritten Gruppenspiel der UEFA Nations League - und braucht einen Sieg, um in Gruppe A2 nicht noch tiefer in die Abstiegszone zu rutschen. Nach dem 1:1 in Amsterdam und der 0:1-Niederlage gegen Griechenland hat Deutschland erst einen einzigen Punkt auf dem Konto.

Griechenland führt die Tabelle überraschend mit sechs Punkten an, die Niederlande folgen mit vier Punkten, Deutschland rangiert nur knapp vor dem Schlusslicht Serbien auf Rang drei, wie fussballnationalmannschaft.net vorrechnet. Für Klopp, der seit Juli als Nachfolger von Julian Nagelsmann amtiert, ist die Partie in München der erste echte Prüfstein in seiner noch jungen Amtszeit. Rekordspieler Bastian Schweinsteiger urteilte nach der Griechenland-Niederlage, die DFB-Elf sei unter Klopp „in der Mittelmäßigkeit angekommen“.

Für das Doppel aus Serbien und dem Griechenland-Rückspiel am Samstag in Thessaloniki hat Klopp seinen Kader fast komplett ausgetauscht. Nur sechs Spieler bleiben aus dem ersten Aufgebot: Finn Dahmen, Nico Schlotterbeck, Philipp Treu, Yannik Engelhardt, Bambasé Conté und Serge Gnabry. Dazu rücken WM-Teilnehmer wie Waldemar Anton, David Raum, Malick Thiaw, Aleksandar Pavlović, Nick Woltemade und Lennart Karl nach. „Die neue Gruppe ist gut drauf, freut sich“, sagte Klopp am Dienstag in der Pressekonferenz. „Wir haben alles gemacht, was wir bisher sollten.“ Zum Gegner äußerte sich der Bundestrainer zurückhaltend: Serbien sei „sehr erfahren“ und bisher „zweimal nicht so schlecht“ gewesen.

Vier Debütanten möglich - Urbig im Tor

Im Tor wird Bayern-Keeper Jonas Urbig gegen Serbien sein erstes Länderspiel bestreiten; Klopp bestätigte den Einsatz am Mittwoch in München, wie footy.de berichtet. Hinter dem Einsatz von Nico Schlotterbeck steht hingegen ein Fragezeichen: Der Dortmunder zog sich im Training eine Sprunggelenksverletzung zu, ein MRT soll Klarheit bringen. Fällt Schlotterbeck wie erwartet aus, bildet Waldemar Anton nach ran-Informationen mit dem Debütanten Finn Jeltsch die Innenverteidigung. Insgesamt vier Spieler könnten in der Startelf gegen Serbien ihr Länderspiel-Debüt geben: neben Urbig und Jeltsch auch Mittelfeldspieler Vitaly Janelt und Angreifer Said El Mala. Die Startelf hielt Klopp auf der Pressekonferenz bewusst offen.

Auch die Kapitäns-Frage ließ Klopp vor dem Serbien-Spiel unbeantwortet. „Die Mannschaft wird von dem Spieler aufs Feld geführt, der die meisten Länderspiele hat“, kündigte der Bundestrainer bei der ZDFheute-übertragenen Pressekonferenz an. Nach dem Rückzug Joshua Kimmichs aus diesem Kader sind damit vor allem Serge Gnabry (61 Länderspiele), Florian Wirtz (43) und David Raum (39) im Rennen um die Binde.

Die Welt dürfte sich ein Beispiel an einer Sportumkleidekabine nehmen. Da wird jeder aufgrund der richtigen Tatsachen respektiert.
- Jürgen Klopp, DFB-Pressekonferenz am 30. September

Deutlicher wurde Klopp bei einem anderen Thema. Nach der Griechenland-Niederlage hatten Spieler der DFB-Elf in sozialen Medien rassistische Nachrichten erhalten. Der Bundestrainer bezog gegenüber ZDFheute Position: „Es gibt keinen Grund, sich über diese Menschen Gedanken zu machen. Meine Gedanken kriegen sie nicht.“ Und weiter: „Die Welt dürfte sich ein Beispiel an einer Sportumkleidekabine nehmen. Da wird jeder genau aufgrund der richtigen Tatsachen respektiert und nicht aufgrund der falschen Meinung diskreditiert.“

Vor dem Anpfiff ist die Dringlichkeit auf allen Ebenen spürbar. Für Klopp ist es laut Sportschau das dritte Spiel binnen acht Tagen und das zweite Heimspiel seiner Amtszeit, für die DFB-Elf geht es darum, den Rückstand in Gruppe A2 vor dem Griechenland-Rückspiel am Samstag noch handhabbar zu halten. Übertragen wird die Partie live im ZDF, als Schiedsrichter wurde der Norweger Espen Eskås eingesetzt.