Jürgen Klopp ist offiziell 13. Bundestrainer. In der DFB-Zentrale in Frankfurt unterschrieb der 59-Jährige am Freitag einen Vertrag bis zur Weltmeisterschaft 2030 und wurde von DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Vizepräsident Hans-Joachim Watzke der 67-minütigen Pressekonferenz vorgestellt. Neuendorf sprach von einem „einstimmigen Votum für Jürgen Klopp und sein Team“. Für Klopp selbst, der zuletzt als Head of Global Soccer bei Red Bull unter Vertrag stand, ist der Job Endstation: eine Karriere danach plane er nicht.
Der Ton, den Klopp in Frankfurt setzte, war zweigeteilt. Nach innen: maximale Offenheit. „Meine Tür ist offen. Niemand wird abgeschrieben. Heute ist Neustart“, sagte der Trainer laut t-online. 57 Feldspieler stünden auf seiner ersten Liste, gespielt werde, „wer sehr gut ist, Riesenbock hat und in dem Moment, wo er das Trikot anzieht, noch ein bisschen besser wird“. Nach außen war der Ton härter. „Wenn ihr euch daneben benehmt und meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg“, sagte Klopp in Richtung der Journalisten. Und weiter: „Wenn ihr morgen sagt, ich bin scheiße - dann bin ich weg. Wenn der DFB sagt, so machen wir nicht weiter, bin ich weg.“ Er habe auf eine Abfindungsklausel verzichtet.
Meine Tür ist offen. Niemand wird abgeschrieben. Heute ist Neustart.
Beim Blick auf die WM 2030 in Spanien, Portugal und Marokko bremste Klopp die Erwartungen. „Wir dürfen nicht alles tun, dass wir Weltmeister werden. Sondern sollten so spielen, dass wir's werden könnten“, sagte er laut ZDF. Zur ehrlichen Analyse gehöre der Vergleich mit Frankreich: „Die Frage müsste lauten: Haben wir Spieler wie Dembélé, Mbappé, Doué, Barcola? Nein.“ Seine Formel dazu: „Erfolg ist Leistung in Relation zur Erwartungshaltung. Wir brauchen eine realistische Erwartungshaltung.“ Auf die Frage nach dem Titel antwortete er nur mit einem Konjunktiv: „Wenn ich ein paar Sekunden die Augen zumache und mir vorstelle, Deutschland wird in vier Jahren Weltmeister ...“
Krawietz, Lijnders, Bender - und Völler als Ansprechpartner
Sein Trainerstab steht. Als Co-Trainer bringt Klopp seine Liverpool-Vertrauten Peter Krawietz und Pepijn Lijnders mit, wie t-online berichtete. Ergänzt wird das Team von Ex-Nationalspieler Sven Bender (37), der zwischen 2009 und 2015 unter Klopp bei Borussia Dortmund gespielt hatte. Marc Kosicke, langjähriger Berater Klopps, übernimmt die neu geschaffene Rolle des „Co-Trainers für Strategie, Entwicklung und Innovation“. Auch DFB-Sportdirektor a.D. Rudi Völler soll eingebunden bleiben: „Rudi wird für mich ein wahnsinnig wichtiger Ansprechpartner sein“, sagte Klopp.
Parallel zur Trainer-Personalie kündigte der DFB einen weiteren Wechsel an der Spitze an. Weltmeister von 2014 Per Mertesacker übernimmt zum 1. Januar 2027 als Sportdirektor die Nachfolge von Andreas Rettig - mit Zuständigkeit für Nationalmannschaft und Nachwuchs. Bis dahin bleibt Rettig im Amt.
Amsterdam als Debüt
Für Klopp beginnt die Pflichtarbeit am 24. September in Amsterdam. In der Nations League trifft die DFB-Auswahl auf die Niederlande, drei Tage später folgt das erste Heimspiel gegen Griechenland in Augsburg. Weiter geht es Anfang Oktober gegen Serbien in München und auswärts in Thessaloniki. Bis zur Auslosung der EM-Qualifikation am 6. Dezember in Belfast bleibt dem Trainer knapp zehn Wochen, um seine Mannschaft neu zusammenzusetzen. Die Europameisterschaft 2028 in Großbritannien und Irland ist der erste sportliche Prüfstein, das WM-Finale in Spanien 2030 das eigentliche Ziel des Sechs-Jahres-Vertrags.
Wie wir am 22. Juli berichteten, war die Vorstellung für diesen Freitag geplant, seit Red Bull Klopp ablösefrei freigegeben hatte. Was in Frankfurt nun folgte, war weniger die Bestätigung eines Wechsels als eine Machtansage: Klopp legt die Regeln fest - sportlich, personell und im Umgang mit der Öffentlichkeit.