Der DFB rückt bei der Suche nach dem Nagelsmann-Nachfolger in die konkrete Verhandlungsphase. Präsident Bernd Neuendorf und DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke werden in den kommenden Tagen in die USA fliegen, um Jürgen Klopp persönlich zu treffen. Das berichtete zuerst die Bild-Zeitung und wurde von Watzke am Montagabend im ZDF bestätigt. Klopp arbeitet aktuell in New York als WM-Experte für MagentaTV; die Bosse des deutschen Fußballs kommen zu ihm.

Watzke selbst tritt öffentlich auf die Bremse. „Das ist definitiv noch nicht abgehakt, das muss man alleine schon vor dem Hintergrund des RB-Engagements so sehen“, sagte der Bundesliga-Präsident im ZDF. Die Wahrscheinlichkeit für eine Einigung bezifferte er mit „größer als 50 Prozent“. Der DFB verfolge einen „Masterplan A“, sagte Watzke - und meinte damit Klopp. Er warnte zugleich vor einer neuen Fehleinschätzung wie in vorangegangenen Personalphasen und verwies auf den bis 2029 laufenden Kontrakt Klopps bei Red Bull als „Head of Global Soccer“.

Der zweite Bremsklotz ist das Geld. „Wir haben natürlich unsere Schmerzgrenze“, sagte Watzke im ZDF und stellte klar, dass er vom in Stuttgart geborenen Klopp „einen leichten Patriotismusabschlag“ erwarte. Berichten der Bild-Zeitung zufolge liegt Klopps derzeitiges Salär bei Red Bull bei rund zehn Millionen Euro pro Jahr - etwa drei Millionen mehr, als der DFB in seiner bisherigen Struktur für einen Bundestrainer eingeplant hat. Angestrebt wird ein Vertrag bis zur WM 2030 in Spanien, Portugal und Marokko.

Das ist definitiv noch nicht abgehakt. Wir haben natürlich unsere Schmerzgrenze.
- Hans-Joachim Watzke, DFB-Vizepräsident, im ZDF

Klopp selbst hatte am Rande seines MagentaTV-Auftritts vor dem Achtelfinale Brasilien gegen Norwegen erklärt, das Timing sei „nicht perfekt, aber es ist besser als es jemals war von meiner Seite aus. Ich bin mittlerweile mehr als aufgetankt und bereit.“ Gleichzeitig kündigte er intensive Gespräche an: Die Probleme des deutschen Fußballs hingen nicht an der Person Julian Nagelsmann, deutscher Fußball stehe „an einem Wendepunkt“, sagte Klopp. Über einen möglichen Wechsel zum DFB äußerte er sich in einer späteren Sendung knapp: „Es gibt nichts zu berichten. Sobald es etwas gibt, erfahrt ihr es als Erstes.“

Vier Männer am Tisch, ein Vertrag als Hürde

Die eigentliche Verhandlungsrunde wird zu viert stattfinden: Neuendorf und Watzke auf DFB-Seite, Klopp mit seinem langjährigen Berater Marc Kosicke auf der Gegenseite. Neben dem Salär bleibt der Red-Bull-Vertrag das juristisch heikelste Detail. Einen expliziten Ausstiegsschluss gibt es nach Informationen mehrerer deutscher Medien nicht, allerdings wird über ein „Gentleman's Agreement“ diskutiert, das Klopp im Fall eines Nationalmannschaftsangebots freistellen würde. Watzke, der Klopp aus gemeinsamen BVB-Jahren kennt, deutete das im ZDF vorsichtig an: „Probleme sind auch dazu da, dass man sie löst.“

Auf dem DFB-Campus in Frankfurt hatte das Präsidium am vergangenen Freitag formell die Trennung von Nagelsmann beschlossen. Vogts hat mit seiner Kolumne in der Rheinischen Post den öffentlichen Rahmen abgesteckt und Klopp gemeinsam mit Matthias Sammer als Sportdirektor empfohlen. Ob Sammer tatsächlich Teil des Deals wird oder Rudi Völler zunächst weiter Sportdirektor bleibt, ist offen; Watzke äußerte sich zu Sammer bisher nicht.

Für den DFB tickt die Uhr. Das erste Länderspiel unter neuem Trainer steht am 24. September in der Nations League gegen die Niederlande an, davor liegt eine Länderspielpause mit vier Pflichtpartien. Zwischen der möglichen Unterschrift in New York und dem Anpfiff in Amsterdam bleiben rund elf Wochen für Trainerstab, Kaderplanung und ein erstes Trainingslager. In dieser Rechnung ist die Reise von Neuendorf und Watzke der erste echte Schritt - und Watzke der Erste, der sagt, dass sie nicht garantiert erfolgreich sein wird.