Es hat weniger als 48 Stunden gedauert, bis Fabrizio Romano seinen Satz gefunden hat. Der Transferexperte, der Klub-Wechsel gern mit einem knappen „Here we go!“ ausruft, meldete am Sonntagmittag auf X, Jürgen Klopp habe das Angebot des DFB angenommen und werde neuer Bundestrainer. Eine offizielle Bestätigung aus Frankfurt gibt es weiter nicht - wohl aber Bewegung: DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Vize Hans-Joachim Watzke wollen laut übereinstimmenden Berichten von Sky und t-online in der kommenden Woche nach New York fliegen, um mit Klopp und dessen Berater Marc Kosicke die letzten Details zu verhandeln.
Wie t-online unter Berufung auf Romano schreibt, gilt Klopp intern längst als gesetzt. Offen sind die Vertragslaufzeit - kolportiert werden Papiere bis 2028 oder 2030 - und die Modalitäten seines Ausstiegs bei Red Bull, wo der 59-Jährige seit Januar 2025 als Global Head of Soccer unter Vertrag steht. Dieser läuft bis 2029. Ein erstes Telefonat zwischen Neuendorf und dem Getränkekonzern gab es nach übereinstimmenden Meldungen bereits am Samstag.
Neue und belastbare Fakten beinhaltet der Post nicht.
Die Zurückhaltung des DFB liegt weniger an Klopps Bereitschaft als am Getränkekonzern in Salzburg. Red Bull sitzt am längeren Hebel: Solange Oliver Mintzlaff, seit 2022 Vorstandschef Corporate Projects and Investments, keine Freigabe erteilt, kann Neuendorf keinen Vertrag unterschreiben. Der Aufsichtsrat der GmbH pocht laut Sky auf eine Ablösezahlung, deren Höhe zwischen Salzburg und Frankfurt weiter offen ist. Bild hatte am Freitag von einem einstelligen Millionenbetrag berichtet, Verbandskreise ließen 14 Millionen Euro als kolportierte Summe dementieren.
Mintzlaff war zeitgleich in Silverstone
Erschwerend kommt der Kalender hinzu. Mintzlaff hielt sich am Wochenende in Silverstone auf, wo Red Bull den Großen Preis von England bestreitet. Persönliche Gespräche mit Neuendorf müssen deshalb Anfang der neuen Woche stattfinden, wenn beide zurück in Zentraleuropa sind. Klopp selbst bleibt bis zum WM-Finale am 19. Juli in den Vereinigten Staaten - MagentaTV hat den Ex-Liverpool-Trainer für die gesamte K.-o.-Runde als Experten gebucht. Neuendorf und Watzke wollen genau diese Präsenz nutzen: In New York, wo an diesem Sonntagabend das Achtelfinale Brasilien gegen Norwegen im MetLife Stadium ausgetragen wird, ist Klopp ohnehin vor Ort.
Die Sportschau hatte am Freitag über einen Zeitplan berichtet, der auf einen offiziellen Amtsantritt am 1. August zielt. Sky bestätigt diese Marschroute nun. Der erste Auftritt der Klopp-Elf wäre demnach das Nations-League-Spiel am 24. September in den Niederlanden. Bis dahin müsste Klopp seinen Trainerstab zusammenstellen, in den nach übereinstimmenden Berichten sein langjähriger Co-Trainer Peter Krawietz und der frühere Liverpool-Assistent Pep Lijnders zurückkehren sollen. Krawietz ist derzeit als Head of Soccer Philosophy ebenfalls bei Red Bull unter Vertrag.
Was Romano zwischen den Zeilen liest
Auffällig ist, was Romano nicht bestätigt hat: kein Vertragsdatum, keine Ablösesumme, keine Assistenten. Der Italiener stützt sich auf Signale aus dem Kloppschen Umfeld, nicht auf ein DFB-Dokument. Das mag erklären, warum GMX in ihrem Bericht ausdrücklich vermerkt, Romanos Post enthalte „keine neuen und belastbaren Fakten“. Der Sonntag bringt damit vor allem eine symbolische Verschärfung: Wenn der Transferexperte, der sonst über Neuzugänge bei Real Madrid oder Manchester City schreibt, den Bundestrainerposten mit seinem Markenspruch versieht, dann liegt der Fall näher am Abschluss, als das offizielle Schweigen suggeriert.
In Frankfurt bleibt man betont sachlich. Der Verband hat die Formulierung „grundsätzliche Bereitschaft“ aus dem Freitag nicht weiterentwickelt. Erst wenn Neuendorf und Watzke in New York gelandet sind und Mintzlaff eine Freigabe erteilt, dürfte der DFB ein Datum für die Vorstellung nennen. Bis dahin gilt: Klopp hat zugesagt, der Vertrag ist offen, und der Weg dorthin führt über den East River.