Während Jürgen Klopp und Red Bull über eine Ablöse für den Bundestrainer-Wechsel verhandeln, klärt der DFB eine zweite, kaum weniger heikle Personalfrage: Wer sitzt im Sommer neben Klopp auf der Bank? Der Verband hat am Freitag mitgeteilt, dass sich der Verband „mit sofortiger Wirkung“ von den Assistenztrainern Benjamin Glück und Benjamin Hübner trennt. Alfred Schreuders im März geholter Vertrag lief ohnehin nur bis zum Ende der WM 2026. Damit bleiben von Julian Nagelsmanns Trainerteam faktisch nur Torwarttrainer Andreas Kronenberg und Standardtrainer Mads Buttgereit übrig, dessen Status der Verband in der Mitteilung offenließ.

Für Klopps möglichen Stab kursieren in Frankfurt drei Namen. Peter Krawietz, 54, ist die Konstante: der Wuppertaler hat Klopp seit Mainz als Scout, seit 2008 als Co-Trainer über Dortmund und Liverpool begleitet. Seit Anfang 2024 ist er Head of Soccer Philosophy bei Red Bull. „Wir teilen den Willen zu gewinnen, natürliche Ambition und die Liebe zum Fußball“, hat Krawietz die Verbindung zu Klopp zuletzt beschrieben. Wo Klopp arbeitet, arbeitet Krawietz - so schrieb es die Sportschau am Freitag über den designierten Chefanalytiker.

Der zweite Name im Kreis ist Zsolt Löw, 47, Ungar, nicht zu verwechseln mit Joachim Löw. Der frühere Bundesligaprofi war lange Thomas Tuchels rechte Hand in Paris und Chelsea, ehe Klopp ihn 2024 als Head of Soccer Development zu Red Bull holte. Löw gilt als Spezialist für individuelle Spielerentwicklung und Umschaltmomente - genau die Bereiche, in denen Nagelsmanns Elf in den USA hinterherlief. Auch er steht bei Red Bull unter Vertrag, was die Freigabe-Frage verdoppelt.

Der dritte Kandidat ist der einzige, der ohne Verhandlung mit Oliver Mintzlaff zu haben wäre. Pepijn Lijnders, 43, Niederländer, arbeitete mit Klopp zwischen 2018 und 2024 in Liverpool. Nach einer kurzen Cheftrainer-Episode bei RB Salzburg wechselte er 2025 als Assistent zu Pep Guardiola nach Manchester. Seit Guardiolas Vertragsauflösung bei City im Frühjahr 2026 ist Lijnders vereinslos - und damit sofort verfügbar. Klopp hatte Lijnders in Liverpool wiederholt für seine „ansteckende Begeisterung“ gelobt und ihm auf dem Trainingsplatz weitreichende Kompetenzen eingeräumt.

Wir teilen den Willen zu gewinnen, natürliche Ambition und die Liebe zum Fußball.
- Peter Krawietz, Red Bull Soccer International

Zwei Ablösen statt einer

Der DFB verhandelt in Salzburg damit gleich über drei Personalien: Klopp selbst plus Krawietz plus Löw. Nach Bild-Recherche steht für Klopp eine Ablöse im einstelligen Millionenbereich im Raum, kolportierte 14 Millionen Euro dementieren Verbandskreise. Für Krawietz und Löw ist bislang keine Zahl kommuniziert, Red-Bull-Manager haben in Konzernkreisen aber deutlich gemacht, dass sie keinen ihrer drei Fußball-Führungskräfte ohne Kompensation ziehen lassen. „Ich habe einen bestehenden Vertrag bei Red Bull. Normalerweise halte ich meine Verträge gerne ein“, hatte Klopp am Donnerstagabend bei MagentaTV gesagt. Der Satz gilt für seine Assistenten genauso.

Sportlich argumentiert der DFB, dass Klopp ohne sein eingespieltes Umfeld nur die halbe Personalie wäre. Krawietz übernimmt seit fast zwei Jahrzehnten die Gegneranalyse, Löw die individuellen Videositzungen, Lijnders die Trainingssteuerung. In Liverpool war die Aufgabenteilung so eingerastet, dass Klopp nach dem Titelgewinn 2020 öffentlich sagte, er habe die geringste Vorbereitungszeit aller Premier-League-Trainer - weil die anderen sie für ihn erledigten.

Was mit Kronenberg und Buttgereit passiert

Kronenberg gilt intern als gesetzt. Der Schweizer hat Marc-André ter Stegen und Manuel Neuer durch die Verletzungswellen der vergangenen Saison betreut und wird nach Sportschau-Recherche auch unter Klopp weitermachen. Bei Buttgereit ist die Lage offen: Der Standardtrainer hat unter Nagelsmann eine anerkannt gute Arbeit geleistet, sein Vertrag läuft aber ebenfalls nur bis Ende Juli. Der DFB hat sich hierzu bewusst nicht geäußert. In Verbandskreisen heißt es, man wolle Klopp erst die Wahl lassen, bevor Restpositionen fixiert werden.

Bis dahin bleibt der Verband im Zeitverzug. Präsident Bernd Neuendorf hat am Freitag angekündigt, das Gespräch mit Klopp zu suchen. Ein zweites Gespräch mit Mintzlaff steht laut Kicker in der kommenden Woche in Salzburg an. Die Personalie ist damit weiter offen - aber sie hat mittlerweile klare Umrisse: ein Trainerteam aus vier bis fünf Köpfen, drei davon aktuell im Sold von Red Bull. Die eigentliche Ablöseverhandlung könnte teurer werden als die für den Cheftrainer selbst.