Jürgen Klopp hat sich am späten Donnerstagabend erstmals selbst zu den Gesprächen mit dem DFB geäußert. Im Rahmen seines MagentaTV-Engagements bei der WM 2026 bestätigte der 59-Jährige, was Präsident Bernd Neuendorf und Sportdirektor Rudi Völler seit dem Aus gegen Paraguay nur skizziert hatten. „Der DFB kümmert sich um eine Nachfolgeregelung und ist in dem Zuge auf mich zugekommen“, sagte Klopp. Das Ganze habe „zügig Fahrt aufgenommen“.
Wie wir am Freitag berichteten, verlangt Red Bull nach Bild-Informationen eine Ablöse im einstelligen Millionenbereich, kolportierte 14 Millionen Euro dementieren Verbandskreise. Klopp bestätigte bei MagentaTV, dass er weiter unter Vertrag steht: „Ich habe einen bestehenden Vertrag bei Red Bull. Normalerweise halte ich meine Verträge gerne ein. Ich habe aber auch gesagt, dass ich Interesse habe.“ Seit Januar 2025 ist er Global Head of Soccer beim Konzern, das Papier läuft bis 2029.
Ich bin mittlerweile mehr als aufgetankt. Also ich bin bereit.
Zum Zeitpunkt der Personalie fand Klopp einen bemerkenswert nüchternen Ton. „Das Timing ist nicht perfekt“, sagte er, „aber es ist besser, als es jemals war.“ Der frühere Liverpool-Trainer betonte, es werde „intensive Gespräche sein müssen, weil die Probleme, die wir aktuell haben, nicht an der Personalie Julian Nagelsmann hängen. Er ist ein außergewöhnlicher Trainer.“ Über die entscheidende Hürde ließ Klopp keinen Zweifel aufkommen: „Mit meinem Arbeitgeber, mit Oliver Mintzlaff, muss ich auch reden.“ Der Red-Bull-Geschäftsführer gilt als harter Verhandler.
Optimistisch zeigte sich Klopp trotzdem. „Ich weiß, dass ihm der deutsche Fußball am Herzen liegt und er für die Gespräche daher sehr offen ist“, sagte er über Mintzlaff. „Im Idealfall gibt es am Ende nur Gewinner.“
Der DFB-Zeitplan zeigt eine Sanduhr
In einer Mitteilung am Freitagmittag hatte der DFB festgehalten: „Die DFB-Spitze wird nun das Gespräch mit Jürgen Klopp suchen. Er hat seine grundsätzliche Bereitschaft, den Posten zu übernehmen, bereits signalisiert.“ Nach Sportschau-Recherchen zielt der Verband auf einen offiziellen Amtsantritt am 1. August, damit Klopp genügend Vorlauf hat, um sein Trainerteam für die Nations-League-Spiele im Herbst aufzustellen. Erstes Spiel: 24. September in den Niederlanden, danach Gruppenspiele gegen Griechenland und Serbien bis Jahresende.
Der Kalender liest sich enger, als er ist. Klopp bleibt vertraglich bis zum WM-Finale am 19. Juli TV-Experte bei MagentaTV. Am 27. Juli soll er in Mainz die Eröffnungsrede des Trainerkongresses des Bund Deutscher Fußball-Lehrer halten. Ein Sprecher des BDFL bestätigte gegenüber der Stimme, man rechne trotz der Verhandlungen weiter mit Klopps Auftritt, wolle ihn aber wegen der veränderten Lage kontaktieren. Bis zur Nike-Präsentation Anfang August, so die Verbandslogik, muss die Personalie stehen.
Neuendorf wählt das Wort „Bereitschaft“
Der DFB hat die Formulierung mit Bedacht gewählt. „Grundsätzliche Bereitschaft“ heißt: kein unterschriebener Vertrag, keine belastbare Ablöse-Vereinbarung, keine Freigabe durch Red Bull. Ein Klopp, der bereit ist, seine Zusage aber vom Wohlwollen Mintzlaffs abhängt, bleibt ein DFB-Kandidat auf Papier - trotz aller Bilder aus Frankfurt. Was heute konkreter ist als noch am Donnerstag: Der 59-Jährige hat sich öffentlich festgelegt, das Signal an den Konzern in Salzburg ist damit unmissverständlich.
Wie lange die Klärung dauert, ist offen. Klopp jedenfalls hat seine Bereitschaft in eine Formel gepackt, die den Verband durch den Sommer tragen soll: „Ich bin mittlerweile mehr als aufgetankt. Also ich bin bereit.“ Ob es reicht, entscheidet ein Gespräch, das nicht in Frankfurt geführt wird, sondern in Salzburg.