Wie wir am Freitagvormittag berichteten, hat der DFB die Trennung von Julian Nagelsmann offiziell bestätigt und Gespräche mit Jürgen Klopp aufgenommen. Am Nachmittag verschob sich der Schwerpunkt auf einen einzigen Punkt: die Klausel im Vertrag des 59-Jährigen bei Red Bull. Bild, Sky und Fabrizio Romano beschreiben die Lage unterschiedlich, und je nach Lesart droht dem Verband der teuerste Trainerwechsel seiner Geschichte.

Klopp ist seit Januar 2025 Global Head of Soccer bei Red Bull, der Vertrag läuft bis 2029, sein Aufgabengebiet umfasst sieben Klubs von Salzburg bis New York. Die Bild schreibt, ein schriftliches Ausstiegsrecht existiere nicht, es gebe lediglich ein „Gentlemen's Agreement“ zwischen Klopp und Red-Bull-Chef Oliver Mintzlaff, das eine Freigabe für die Nationalmannschaft vorsehe. Sky berichtet ähnlich von einer verbal fixierten Exit-Option. Fabrizio Romano formuliert es enger: Die Klausel existiere, sei aber ausschließlich für den Bundestrainer-Posten gültig, „as Klopp always used to dream for national team job“, schrieb der Transferjournalist am Freitag auf X.

Konkret werden soll es beim Preis. Laut Bild verlangt Red Bull eine Ablöse im einstelligen Millionenbereich. Kolportierte 14 Millionen Euro werden von Verbandskreisen dementiert. Die Süddeutsche Zeitung hält einen zweistelligen Betrag für möglich, sollte der Konzern die Verhandlung hart führen. Für den DFB wäre bereits die einstellige Variante ein Novum: In seiner 126-jährigen Geschichte hat der Verband nie eine Ablöse für einen Bundestrainer gezahlt.

Ein Gesamtpaket, das Kopfschmerzen bereitet.
- Lothar Matthäus über Klopps mögliche DFB-Konditionen, spox

Warum der Nike-Deal die Rechnung ändert

Finanziell trifft die Debatte den DFB in einem seltenen Moment der Handlungsfähigkeit. Der zur kommenden Saison beginnende Ausrüstervertrag mit Nike bringt bis 2034 rund 100 Millionen Euro pro Jahr in die Frankfurter Kasse, deutlich mehr als der auslaufende Adidas-Kontrakt. Genau diese Zusatzeinnahmen machen es aus Sicht mehrerer Beobachter überhaupt möglich, Ablöse, Klopp-Gehalt und die Abfindung von rund sieben Millionen Euro an Nagelsmann parallel zu stemmen.

Über die Gehaltsdimension sprach am Freitag Lothar Matthäus. „Ein Gesamtpaket, das Kopfschmerzen bereitet“, zitiert spox den Rekordnationalspieler. Klopps Bezüge dürften laut Matthäus deutlich über denen des zurückgetretenen Nagelsmann liegen und im zweistelligen Millionenbereich verortet sein. Sein aktuelles Salär bei Red Bull wird auf acht bis 15 Millionen Euro jährlich taxiert.

Kicker dämpft die Erwartung an eine schnelle Lösung

Trotz der öffentlichen Wucht der Personalie sei mit einer sofortigen Einigung nicht zu rechnen, schreibt der Kicker. Die Verhandlungen mit Red Bull, die Prüfung der Klauselfrage und die parallele Suche nach einem Sportlichen Leiter benötigten Zeit. Ein erstes Nations-League-Heimspiel gegen die Niederlande Anfang September setzt die Deadline, bis zu der eine neue Konstellation stehen sollte. Bis dahin bleibt offen, wie viel der DFB für die Rückkehr des einstigen BVB- und Liverpool-Trainers wirklich zu zahlen bereit ist.