König Harald V. von Norwegen ist tot. Der 89-Jährige starb am Freitagmorgen um 6.35 Uhr im Reichskrankenhaus in Oslo, wie das norwegische Königshaus in einer offiziellen Mitteilung bekanntgab. Der Monarch sei „friedlich eingeschlafen“, hieß es aus dem Palast. An seinem Bett waren nach Angaben des Hofes Königin Sonja, Kronprinz Haakon, Kronprinzessin Mette-Marit sowie die Enkelkinder anwesend.

Harald war seit der vergangenen Woche wegen einer Form der Blutarmut in stationärer Behandlung. Bei einer Kortisontherapie kam es zu Komplikationen, hinzu kam eine bakterielle Infektion, die den Zustand des Königs rasch verschlechterte. Wie die Tagesschau und ZDFheute unter Berufung auf Palastangaben berichten, war der König in den vergangenen Jahren mehrfach in Krankenhausbehandlung, unter anderem mit einem Herzschrittmacher.

Mit dem Tod des Monarchen fiel der Thron nach norwegischer Verfassung unmittelbar an dessen einzigen Sohn: Kronprinz Haakon ist damit ab sofort König Haakon VIII. Der 53-Jährige stellte sich am Mittag im Osloer Königsschloss dem Regierungskabinett vor und übernahm als Wahlspruch das Motto seines Vaters und Großvaters: „Alt for Norge“ - Alles für Norwegen. Eine förmliche Krönung ist im Nachkriegs-Norwegen nicht mehr vorgesehen; die konstitutionelle Eidesleistung vor dem Storting soll am kommenden Dienstag um 13 Uhr stattfinden.

Eine ganze Nation trauert, und das norwegische Volk ist zugleich zutiefst dankbar für ein langes Leben im Dienste Norwegens.
- Jonas Gahr Støre, Ministerpräsident Norwegens

35 Jahre auf dem Thron

Harald V. war am 17. Januar 1991 nach dem Tod seines Vaters Olav V. auf den Thron gekommen und regierte über 35 Jahre - länger als jeder andere Monarch Europas zum Zeitpunkt seines Todes. Der 1937 geborene König war der dritte Regent des Landes seit der Auflösung der Personalunion mit Schweden 1905 und der erste seit Jahrhunderten, der in Norwegen selbst geboren wurde.

Öffentlich blieb Harald zeitlebens mit zwei Themen verknüpft: Segeln und Liebe. Als aktiver Regattasegler startete er 1964, 1968 und 1972 für Norwegen bei Olympischen Spielen, 1987 wurde er in der One-Ton-Klasse Weltmeister. Seine Ehe mit Sonja Haraldsen, Tochter eines Textilhändlers, hatte er neun Jahre lang gegen den Widerstand seines Vaters durchfechten müssen, weil eine Bürgerliche als künftige Königin nicht vorgesehen war. Erst 1968 gab Olav V. nach, das Paar heiratete am 29. August - dem Tag, an dem Königin Sonja nun ihren 58. Hochzeitstag allein begehen muss.

Politisch prägte Harald sein Bild als überparteilicher Integrator. In einer 2016 in den sozialen Medien vielfach geteilten Ansprache erinnerte er daran, dass Norweger auch aus Afghanistan, Pakistan, Polen, Schweden, Somalia und Syrien eingewandert seien. Nach den Anschlägen von Anders Breivik 2011 hatte der König das Land zu einer offenen Demokratie aufgerufen, in den vergangenen Jahren begleitete er - meist wortkarg - Skandale um Kronprinzessin Mette-Marit und deren Sohn Marius Borg Høiby.

Reaktionen aus Europa

Ministerpräsident Jonas Gahr Støre würdigte den König als Figur, die dazu beigetragen habe, „das Beste in uns selbst und im anderen zu sehen“. Aus den europäischen Königshäusern kamen Beileidsbekundungen im Stundentakt: Schwedens König Carl XVI. Gustaf, Patenonkel des neuen norwegischen Königs, erinnerte an einen „guten Freund über viele Jahre“. Dänemarks König Frederik X. und Königin Mary sprachen von „Onkel Harald“ als „einem feinen Menschen mit einem Lächeln in den Augen und einem großen Herzen“. Der britische König Charles III. würdigte einen „zutiefst geliebten Verwandten und Freund“. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nannte Harald „einen wahren Europäer“.

Reaktionen kamen auch aus dem Sport: Stürmerstar Erling Haaland schrieb auf Instagram: „Ruhe in Frieden, König Harald. Danke für alles, was du für Norwegen getan hast.“ Der Leichnam soll nach Angaben des Königshauses in einer Prozession vom Reichskrankenhaus ins Königsschloss überführt werden und dort in der Schlosskapelle aufgebahrt werden, wo die Bevölkerung Abschied nehmen kann. Ein Datum für das Staatsbegräbnis nannte der Palast bis Freitagabend noch nicht.