Die Zahl der Toten nach dem schweren Erdbeben in Kolumbien ist am Dienstagmorgen auf mindestens 132 gestiegen, die Zahl der Verletzten auf über 480. Das teilte die Regierung in Bogotá mit, wie unter anderem das Berliner Sonntagsblatt und der Nachrichtenkanal i24 unter Berufung auf dpa berichten. Wie wir am frühen Dienstag berichteten, hatte Präsident Abelardo de la Espriella die Bilanz in der Nacht zunächst auf 111 Tote beziffert und den landesweiten Notstand ausgerufen.
Fünf Provinzhauptstädte stehen inzwischen unter roter Alarmstufe. Nach Regierungsangaben sind landesweit 86 Gebäude komplett eingestürzt, sieben Flughäfen bleiben gesperrt: Cali, Pereira, Manizales, Quibdó, Armenia, Cartago und Buenaventura. Am schwersten getroffen ist weiter die Kaffeeregion um Pereira mit 40 Toten und 65 zerstörten Gebäuden; in Cali - mit 2,3 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt des Landes - meldet Bürgermeister Alejandro Eder inzwischen 32 eingestürzte Häuser.
Kinderklinik in Cali: Rettung aus dem Trümmerfeld
Besonders dramatisch ist die Lage in einem Krankenhaus in Cali, in dem nach Angaben der Stadtverwaltung rund 30 Prozent der Bausubstanz eingestürzt sind - darunter drei Etagen mit der Pädiatrie, der Inneren Medizin und Teilen der Neugeborenenstation. Videobilder zeigen Rettungskräfte, die sich an Seilen aus den Fenstern des Klinikflügels abseilen. Vier Menschen konnten laut der Stadtregierung bereits lebend geborgen werden, die übrigen Patientinnen und Patienten wurden in die Klinikgärten oder in andere Häuser der Stadt verlegt.
Sie leben. Wir schaffen Platz, damit wir sie befreien und herausholen können.
In einem anderen Cali-Stadtteil zog die Feuerwehr eine sechs Monate alte Säugling und ihre Mutter unversehrt aus den Trümmern eines fünfstöckigen Wohnhauses. Zur Unterstützung der örtlichen Kräfte brach in der Nacht das 22 Mann starke USARCOL-20-Team aus Pasto nach Cali auf, wie eine Zuma-Press-Aufnahme dokumentiert. Präsident de la Espriella kündigte an, zusätzlich zu den bereits eingesetzten 600 Soldaten weitere 400 Kräfte zu entsenden und Mietkostenzuschüsse für obdachlos gewordene Familien bereitzustellen.
Internationale Hilfe zugesagt
Mehrere Staaten haben Kolumbien Unterstützung zugesagt. Die USA sagten Soforthilfen im Umfang von 15,5 Millionen Dollar zu, die EU aktivierte ihren Copernicus-Satellitendienst zur Kartierung der Schäden, wie das Handelsblatt berichtet. Auch Mexiko und Israel kündigten Rettungsteams an. De la Espriella, der erst wenige Tage vor dem Beben vereidigt worden war, sagte laut Cyprus Mail zu, „regelmäßig Berichte zur Lage zu veröffentlichen und die internationale Hilfe zu koordinieren“. Die kolumbianische Katastrophenschutzbehörde UNGRD arbeitet an einer ersten Gesamtschadensbilanz, die formell den Katastrophenfall auslösen soll.