Ein Erdbeben der Stärke 7,4 hat am Montagmorgen um 7:34 Uhr Ortszeit den Westen Kolumbiens erschüttert. Das Epizentrum lag nach Angaben des Kolumbianischen Geologischen Dienstes (SGC) rund fünf Kilometer von San José del Palmar entfernt, einer Kleinstadt im Departamento Chocó nahe der Grenze zu Risaralda und Valle del Cauca. Die Erschütterungen waren bis in die rund 280 Kilometer entfernte Hauptstadt Bogotá sowie in den Nachbarländern Venezuela, Panama und Ecuador zu spüren.

Nach Angaben mehrerer Bürgermeister und Gouverneure kamen bei dem Beben mindestens 47 Menschen ums Leben; die Zahl stieg im Laufe des Tages weiter. Am schwersten getroffen ist die Stadt Pereira: Bürgermeister Mauricio Salazar meldete 18 Todesopfer, aus dem gesamten Departamento Risaralda berichtete Gouverneur Diego Patiño später von rund 40 Toten. In Cali und im Departamento Valle del Cauca kamen laut kolumbianischen Medien mindestens 27 weitere Menschen ums Leben, in Manizales bestätigten die Behörden zwei Tote.

Der Terminal des internationalen Flughafens Matecaña in Pereira brach nach Angaben der kolumbianischen Luftfahrtbehörde teilweise zusammen; Flüge nach Pereira, Manizales, Quibdó, Armenia, Cartago und Buenaventura wurden ausgesetzt. In Manizales stürzten Teile des Turms der Kathedrale, der höchsten Kolumbiens, auf die Straße. In Cali brachen nach Angaben der Stadtverwaltung mehr als 20 Häuser zusammen, die Universidad Santiago de Cali meldete Schäden am Campus. In Quibdó, der Hauptstadt Chocós, berichtete die Provinzregierung von einem Toten, drei Vermissten und schweren Gebäudeschäden.

Nachbeben und Warnstufe Orange

Das Beben ereignete sich in einer Tiefe von rund 107 Kilometern; das erklärt nach Einschätzung von Seismologen, warum in der Hauptstadt Bogotá trotz der hohen Magnitude nur Risse in Wänden und keine schweren Einstürze registriert wurden. Der Bürgermeister von Bogotá, Carlos Fernando Galán, teilte mit, dass keine schweren strukturellen Schäden aus der Hauptstadt vermeldet worden seien. Der US-Erdbebendienst USGS gab eine Orange-Warnung heraus, die zweithöchste Stufe der Behörde, die auf hohe Opferzahlen und flächige Zerstörung hinweist. Binnen weniger Stunden registrierten die Behörden zehn Nachbeben ab Magnitude 2, das stärkste mit einer Stärke von 5,0 rund 44 Minuten nach der Hauptstoss.

Wir erlebten ein schweres Erdbeben im Departement Chocó. Wir befürchten Nachbeben.
- Nubia Carolina Córdoba-Curi, Gouverneurin des Departamento Chocó

Präsident Abelardo de la Espriella richtete kurz nach dem Beben einen Krisenstab in San José del Palmar ein und kündigte eine persönliche Reise in die Region an. „Ihr seid nicht allein. Der Staat ist präsent“, schrieb er auf der Plattform X. Die Katastrophenschutzbehörde stellte klar, dass keine Tsunami-Gefahr bestehe. Die USGS schätzt, dass die Erschütterungen rund 34 Millionen Menschen erreichten.

Kolumbianische Behörden bezeichneten das Beben als das stärkste je gemessene in der Geschichte des Landes. Die vorherige Katastrophe vergleichbarer Größenordnung in Chocó liegt drei Jahrzehnte zurück: 1995 hatte ein Beben der Stärke 6,8 die Region getroffen und mindestens 27 Menschen getötet. Ob die aktuelle Bilanz noch deutlich steigt, hängt in den kommenden Stunden davon ab, wie viele Verschüttete unter den Trümmern in Pereira, Cali und Quibdó geborgen werden können.