Rund zehn Tage vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover gegen den SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsannahme in zwei Fällen. Am Mittwoch durchsuchten Ermittler seine Privatwohnung in Berlin-Schöneberg, die Landeszentrale der Berliner SPD im Wedding sowie das Regionshaus in Hannover, wo Krach bis Anfang dieses Jahres als Regionspräsident amtierte.

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Kathrin Söfker, bestätigte gegenüber der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung außerdem Ermittlungen wegen möglicher wettbewerbsbeschränkender Absprachen und der Verletzung von Geschäftsgeheimnissen. Zum konkreten Verfahrensgegenstand äußerte sich die Behörde nicht, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Krach ist erst seit Anfang 2026 Co-Vorsitzender der Berliner SPD; sein Amt als Chef der Region Hannover mit rund 1,1 Millionen Einwohnern gab er ab, als er ins Berliner Rennen einstieg.

Streit um ein altes Krankenhaus in Lehrte

Im Zentrum steht ein Grundstücksverkauf rund um ein bis 2030 zu schließendes Krankenhaus in Lehrte bei Hannover. Krach soll sich als Aufsichtsrat für ein Angebot der G&W Vermögensverwaltung stark gemacht haben, die den Zuschlag am Ende nicht erhielt. Gegen das Unternehmen und seinen Geschäftsführer laufen bereits eigene Korruptionsermittlungen; bei G&W hatte es dazu im Mai Durchsuchungen gegeben.

Krach wies die Vorwürfe zurück. „Es gab eine Spende, die wir innerhalb von 24 Stunden zurücküberwiesen haben, weil ich sofort gesagt habe, dass ich diese Spende definitiv nicht annehmen kann“, sagte er dem Tagesspiegel. Rund 9.500 Euro seien um Weihnachten 2025 von einem Bieter eingegangen - knapp unterhalb der Grenze von 10.000 Euro, ab der Parteispenden veröffentlicht werden müssen. Sein Sprecher Matthias Kuder erklärte gegenüber der taz: „Wir weisen die Anwürfe in aller Entschiedenheit zurück.“ Den Zeitpunkt der Razzia elf Tage vor der Wahl nannte Krach „erstaunlich“; er habe „nichts zu verbergen“.

SPD schließt die Reihen

Trotz der Ermittlungen sprach der SPD-Landesvorstand Krach am Mittwochabend einstimmig das Vertrauen aus. Parteichef Lars Klingbeil bekräftigte die Rückendeckung bei einem Wahlkampfauftritt in Berlin-Charlottenburg. „Steffen Krach hat die Rückendeckung und Solidarität der SPD“, sagte Klingbeil laut dpa; er kenne den Kandidaten „seit langer Zeit“ und schätze ihn „sehr“. In den verbleibenden Tagen bis zur Wahl wolle die SPD „erheblich aufholen“, zugleich sei sie die verlässliche Kraft gegen ein weiteres Erstarken der AfD.

Steffen Krach hat die Rückendeckung und Solidarität der SPD.
- Lars Klingbeil, SPD-Parteivorsitzender, laut dpa

Parteivertreter verwiesen dabei auf einen Präzedenzfall aus dem Jahr 2021, als Durchsuchungen im Bundesfinanz- und Bundesjustizministerium unter dem damaligen Finanzminister Olaf Scholz später von Gerichten als rechtswidrig eingestuft wurden. Ob die aktuellen Zugriffe bei Krach dieser Prüfung standhalten, ist offen. Der politische Schaden für die SPD dürfte in einem ohnehin schwierigen Wahlkampf bereits eingetreten sein: Umfragen sehen die Sozialdemokraten in Berlin deutlich hinter CDU und AfD. Die Abgeordnetenhauswahl findet am 20. September statt.