Christoph Kramer hat seinen zweiten Roman vorgelegt. „Wolkenberührpunkt“ ist am 1. Oktober im Kölner Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen, 288 Seiten, Hardcover, 23 Euro. Die Premiere lief am Abend zuvor in der Mitsubishi Electric Halle in Düsseldorf, moderiert von Podcaster Tommi Schmitt. Kramer, Weltmeister von 2014 und seit 2018 ZDF-Experte, ist nach Verlagsangaben der erste Profifußballer, der einen Roman veröffentlicht.

Erzählt wird die Geschichte zweier Männer, die zunächst wenig verbindet. Im Zentrum steht Roman, ein junger Mann, dessen Leben in der Silvesternacht 2000 aus den Fugen gerät und der später als Student in einer Buchhandlung dem Ich-Erzähler Chris begegnet. Dieser Chris ist ein zur Literatur umgeschulter Fußballer, der im Spätsommer 2024 seine Karriere bei Borussia Mönchengladbach beendet. Was autobiographisch ist und was Fiktion, lässt Kramer bewusst offen. In Interviews zum Debüt hatte er betont, es sei ihm wichtig, dass niemand genau wisse, was ihm wirklich passiert sei, nicht einmal seine Eltern.

Der Titel bezieht sich auf einen alten Holzmasten, an dem Roman und sein bester Freund Steve Wünsche in den Himmel rufen. Kramer webt in die Erzählung eigene Erinnerungen ein, darunter das 7:1 der deutschen Nationalmannschaft gegen Brasilien bei der WM 2014, bei dem er selbst nach einer Kopfverletzung in der ersten Halbzeit ausgewechselt wurde. Dem Verlag zufolge ist der Grundgedanke des Romans die Frage, ob Glück sich erst einstelle, wenn man aufhöre, unbedingt jemand sein zu wollen.

Lesereise bis Ende November

Nach der Düsseldorfer Premiere ist Kramer bis Ende November mit dem Buch unterwegs, nächste Stationen sind Solingen am 12. Oktober und das Festival lit.cologne am 15. Oktober. Besonders dicht gesetzt sind die Termine in Mönchengladbach am 5. November, wo Kramer zehn Jahre lang für Borussia spielte, und im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund am 19. November. Flankiert wird der Start laut Verlag von einer Buchhandlungs-Aktion, bei der Kramer dreimal selbst für einen Nachmittag an die Kasse treten soll.

Das Debüt „Das Leben fing im Sommer an“ vom März 2025 verkaufte sich binnen Monaten über 100.000-mal. Für den Zweitling habe Kramer nach eigener Zählung rund 1.000 Tage am Schreibtisch verbracht, verteilt auf beide Bücher. Die taz beschrieb das Ergebnis als Mischung aus persönlicher Erinnerung und Fußballnostalgie, Rezensent Andreas Rüttenauer attestierte Kramer einen reflektierten Umgang mit seinen Privilegien. Für Kramer selbst beginnt mit dem Buch zugleich der nächste Lebensabschnitt: Sein ZDF-Vertrag als Fußballexperte wurde nach Angaben des Senders bis über die EM 2028 hinaus verlängert.