Iran hat am Sonntag zum zweiten Mal binnen 48 Stunden eine Anlage zur Stromerzeugung und Meerwasserentsalzung in Kuwait beschossen. Nach Angaben des kuwaitischen Ministeriums für Elektrizität, Wasser und erneuerbare Energien brach in Teilen der Anlage ein Feuer aus, die Stromproduktion sei „erheblich beeinträchtigt“ worden. Zum Zeitpunkt der Meldung waren Löscharbeiten im Gang, wie das Handelsblatt unter Berufung auf die Nachrichtenagentur dpa berichtete.

Das Außenministerium in Kuwait-Stadt verurteilte den Beschuss in einer schriftlichen Erklärung scharf. Die wiederholten Angriffe auf lebenswichtige Einrichtungen offenbarten „eine systematische und aggressive Vorgehensweise, die auf zivile Infrastruktur abzielt und Leben und Sicherheit der Bevölkerung gefährdet“, heißt es in der von t-online zitierten Mitteilung. Eine offizielle Bestätigung, welches Kraftwerk konkret getroffen wurde, gab es zunächst nicht.

Die wiederholten Angriffe auf lebenswichtige Einrichtungen offenbaren eine systematische und aggressive Vorgehensweise, die auf zivile Infrastruktur abzielt.
- Kuwaitisches Außenministerium, Erklärung vom 19. Juli 2026

Die Armee des Golfstaats erklärte, sie habe „feindliche Raketen und Drohnen“ aus dem Iran abgefangen. In der benachbarten Insel Bahrain heulten laut Al Jazeera erneut Warnsirenen, das Innenministerium in Manama rief die Bevölkerung auf, Schutz zu suchen. Nach Angaben des kuwaitischen Verteidigungsministeriums nahmen die iranischen Revolutionsgarden nicht nur Militär- und Sicherheitseinrichtungen ins Visier, sondern gezielt auch „Anlagen zur Öl-, Strom- und Wasserversorgung“.

Erster Angriff hatte Ölanlage getroffen

Bereits am Samstag hatte die kuwaitische Staatsagentur Kuna einen iranischen Beschuss auf einen „bedeutenden“ Standort des Ölsektors gemeldet. Die staatliche Kuwait Petroleum Corporation sprach laut Badischer Neuester Nachrichten von „erheblichen materiellen Schäden“ und mehreren Verletzten. Bei den Löscharbeiten an zwei Bränden seien mehrere Feuerwehrleute und ein ziviler Mitarbeiter verwundet worden.

Die Angriffsserie ist Teil einer sich zuspitzenden Vergeltungsspirale entlang des Persischen Golfs. Iran reagiert mit Schlägen auf US-Verbündete, seit die amerikanische Luftwaffe in der achten Nacht in Folge Ziele im Iran attackierte, darunter nach Berichten von Al Jazeera auch die im Bau befindliche Atomanlage Darkhovin. Nach eigenen Angaben zielten die Revolutionsgarden mit ihren Raketen und Drohnen auf US-Stützpunkte in Bahrain, Kuwait und Jordanien.

Wasserversorgung als strategische Schwachstelle

Der Angriff auf die Kombianlage zur Strom- und Trinkwassererzeugung trifft eine besonders empfindliche Stelle. Kuwait bezieht nach Angaben des Energieministeriums rund 90 Prozent seines Trinkwassers aus Meerwasserentsalzung. In der gesamten Golfregion sind mehr als 400 solcher Anlagen in Betrieb, die zusammen etwa 40 Prozent des weltweit entsalzten Wassers produzieren, wie news.de unter Berufung auf dpa berichtete.

Politisch bleibt Kuwait ein enger Verbündeter der USA und beherbergt mehrere amerikanische Militärstützpunkte. Eine Reaktion aus Berlin lag am frühen Sonntagabend zunächst nicht vor. Außenminister Johann Wadephul (CDU) hatte in den vergangenen Tagen wiederholt Teheran für die Eskalation verantwortlich gemacht und die iranische Führung zur Rückkehr an den Verhandlungstisch aufgefordert. Die Waffenruhe zwischen Iran und den USA, die Mitte Juni unterzeichnet worden war, ist Anfang Juli zusammengebrochen.