Bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Munitionslager im Dorf Myla, rund fünf Kilometer westlich von Kiew, sind am Freitagabend mindestens 37 Menschen getötet worden. Dutzende weitere wurden verletzt. Wie der Gouverneur der Oblast Kiew, Tymur Tkatschenko, mitteilte, sei ein Anstieg der Opferzahl nicht ausgeschlossen: „Die Zahl der Toten könnte noch steigen“, zitiert die österreichische Nachrichtenagentur ORF den Regionalchef. Rund 400 Anwohner mussten evakuiert werden.
Nach ukrainischen Angaben lagerten in der getroffenen Halle grosse Mengen an Granaten, Minen und Drohnen. Der Einschlag löste eine Explosionskette aus, die Wohnhäuser, ein Seniorenheim und eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung beschädigte. Der westliche Autobahnzubringer von Kiew musste über mehrere Kilometer für den Rettungs- und Löscheinsatz gesperrt werden. Zeitweise waren mehr als 300 Helferinnen und Helfer im Einsatz.
Selenskyj: „Munition darf nicht in Wohngebieten lagern“
Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte auf Telegram strafrechtliche Ermittlungen wegen dienstlicher Fahrlässigkeit an. „Es gibt Vorschriften: Munition darf nicht in der Nähe von Häusern und anderen Wohngebäuden gelagert werden“, schrieb der Präsident. Zwei leitende Mitarbeiter des staatlichen Rüstungskonzerns Ukroboronprom müssten sich verantworten, weil sie die Lagerung auf dem Gelände „widerrechtlich“ genehmigt hätten.
Kriminelle Fahrlässigkeit. Im fünften Kriegsjahr.
Regierungschef Serhij Korezkyj sprach von „krimineller Fahrlässigkeit im fünften Kriegsjahr“. Er verwies auf einen vergleichbaren Zwischenfall im Juli in Wyschneve, ebenfalls in der Oblast Kiew, bei dem mindestens neun Menschen getötet wurden. Die staatliche Aufsicht habe damals bereits festgestellt, dass Ukroboronprom die Abstandsvorschriften zu Wohngebieten nicht einhalte. Konsequenzen habe das offenbar nicht gehabt.
Russland reklamiert Treffer auf Flamingo-Bauteile
Das russische Verteidigungsministerium meldete, man habe „Komponenten und Startbooster für Langstreckendrohnen“ sowie Teile für die neuen ukrainischen Marschflugkörper vom Typ Flamingo getroffen. Ein Bewohner von Dmytriwka, Gemeindevorsteher Taras Didytsch, starb nach Angaben Selenskyjs bei den Rettungsarbeiten im Einsatzgebiet. Nach Angaben von CBS News und Al Jazeera zählt die Attacke zu den verlustreichsten russischen Schlägen des laufenden Jahres. Die ukrainische Staatsanwaltschaft nahm noch in der Nacht Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung auf und lässt die Genehmigungslage prüfen.