Am Friedhof von Suphan Buri, rund 100 Kilometer nordwestlich von Bangkok, hat Österreich am Dienstag der Opfer des schwersten Unglücks der heimischen Luftfahrtgeschichte gedacht. Genau 35 Jahre zuvor, am 26. Mai 1991, war Lauda-Air-Flug 004 kurz nach dem Start in Bangkok in den Dschungel Westthailands gestürzt. Alle 223 Menschen an Bord starben. Die neue Botschafterin Katharina Wieser legte gemeinsam mit Vertretern der Austrian Thai Society und thailändischen Offiziellen Kränze an dem Massengrab nieder, in dem 27 nicht identifizierbare Opfer beigesetzt sind.

Die Boeing 767-300ER mit der Registrierung OE-LAV, getauft auf den Namen „Mozart“, war an jenem Sonntag um 23:02 Uhr Ortszeit in Bangkok in Richtung Wien abgehoben. Wie das Onlineportal vol.at in Erinnerung ruft, kamen unter den 213 Passagieren und zehn Crewmitgliedern auch 89 Österreicherinnen und Österreicher ums Leben, darunter elf Vorarlberger. 15 Minuten nach dem Start öffnete sich die Schubumkehr am linken Triebwerk im Steigflug von selbst. Die Maschine geriet außer Kontrolle und zerbrach in der Luft. Bis heute ist die „Mozart“ der einzige tödliche Absturz einer Boeing 767, bei dem weder ein Anschlag noch ein reiner Pilotenfehler die Ursache war.

Konstruktionsfehler und unterlassene Wartung

ORF Niederösterreich nahm den Jahrestag zum Anlass, die Unfallursache neu aufzurollen. Im Gespräch mit dem Sender sagte der Luftfahrtexperte Patrick Huber, das System sei „so konstruiert, dass bei Auftreten verschiedener elektrischer oder elektronischer Defekte in sehr seltenen Fällen die Schubumkehr aufgehen konnte“. Brisant ist, was der Sachverständige zur Verantwortung der Airline ergänzte: Lauda Air habe eine bekannte Fehlfunktion an genau diesem Triebwerk ignoriert.

Der Fehler ist nie behoben worden. Die Mozart ist bis zum Absturz über 2.000 Stunden mit diesem Fehler geflogen.
- Patrick Huber, Luftfahrtexperte, gegenüber dem ORF

Der Gerichtsmediziner Christian Reiter, der nach dem Absturz an der Identifizierung der Opfer beteiligt war, beschrieb im selben Beitrag die damaligen Zustände am Unfallort. Mangelnde Infrastruktur und eine schwierige Zusammenarbeit mit thailändischen Behörden hätten dazu geführt, dass 27 der 223 Toten nie zugeordnet werden konnten. Sie ruhen heute in dem Sammelgrab, an dem die Botschaft die Gedenkfeier abhielt. Der Friedhof war 2025 auf Initiative der Wiener Vertretung in Bangkok generalsaniert worden.

Kein Denkmal in Österreich

Auffällig bleibt, dass es 35 Jahre nach dem Absturz weiterhin keine zentrale Gedenkstätte in Österreich selbst gibt, wie das Fachmagazin Austrian Wings in einer Serie zum Jubiläum hervorhebt. Niki Lauda, Gründer der Fluglinie und späterer Formel-1-Weltmeister, hatte den Absturz Zeit seines Lebens als das schwerste Ereignis seiner Karriere bezeichnet. Eine Initiative von Hinterbliebenen drängt seit Jahren auf einen Erinnerungsort in Wien oder Niederösterreich. Bislang vergeblich.

Auch publizistisch ist die Katastrophe zurück in der Öffentlichkeit. Anfang 2026 erschien das Buch „Lauda Air NG 004: Der letzte Flug der ,Mozart“, das die technischen und unternehmerischen Versäumnisse erstmals zusammenhängend aufarbeitet. Ergänzt wird die Lektüre durch Podcast-Folgen und Reportagen, die Wartungsprotokolle, Cockpit-Aufzeichnungen und Erinnerungen von Hinterbliebenen neu auswerten. In Suphan Buri war davon am Dienstag wenig zu spüren. Die Gedenkfeier am Massengrab fiel still aus.