Mit 21 Medaillen hat der Deutsche Leichtathletik-Verband die Europameisterschaften in Birmingham am Sonntag als drittstärkste Nation abgeschlossen. Sechs Titel, zehn Silbermedaillen und fünf Bronzeplätze bedeuten die beste EM-Bilanz seit den Titelkämpfen 1998 - und einen deutlichen Sprung gegenüber der Heim-EM 2022 in München (16 Medaillen) und der EM 2023 in Rom (elf).
Den Medaillenspiegel gewann Italien mit zehnmal Gold, sechs Silber und sechs Bronze vor Großbritannien (9/8/2). Deutschland folgte mit 6/10/5 knapp dahinter und ließ die Niederlande (5/3/6) und Norwegen (4/0/2) hinter sich, wie die Übersicht von Eurosport zeigt. Getragen wurde das DLV-Aufgebot von einer breiteren Spitze als in den vergangenen Jahren: Sechs verschiedene Athletinnen und Athleten holten Gold, die Silber- und Bronzemedaillen verteilten sich auf mehr als ein Dutzend weiterer Namen.
Herausragend war der Auftritt von Leo Neugebauer. Der Zehnkämpfer bestätigte am Freitag mit Gold seinen WM-Titel aus Tokio 2025 auch auf europäischer Ebene. Julian Weber gewann den Speerwurf der Männer, Amanal Petros triumphierte im Marathon, Gesa Krause siegte über 3.000 Meter Hindernis der Frauen. Owen Ansah setzte sich über 200 Meter durch und lief zusätzlich über 100 Meter zu Bronze - allerdings unter Vorbehalt eines noch laufenden Dopingverfahrens. Am Sonntagabend holte Frederik Ruppert über 3.000 Meter Hindernis der Männer das sechste deutsche Gold.
In der Breite belegten die Silbermedaillen die neue Tiefe: Florian Bremm schlug über 5.000 Meter überraschend zu, Merlin Hummel schleuderte den Hammer weit genug für Silber, Julia Ulbricht wurde im Speerwurf der Frauen Zweite. Kugelstoßerin Yemisi Mabry hatte am Eröffnungstag mit Bronze die erste Medaille für das DLV-Aufgebot geholt.
Mihambo verpasst das Podest
Nicht alle Favoritinnen wurden ihrer Rolle gerecht. Malaika Mihambo, dreimalige Weltmeisterin im Weitsprung, sprang am Sonntag im Finale 6,94 Meter und wurde damit Fünfte. Gold ging an die Italienerin Larissa Iapichino mit 7,00 Metern, Silber an Jazmin Sawyers aus Großbritannien (6,99) und Bronze an die Französin Hilary Kpatcha (6,98). Mihambo hatte sich in der Qualifikation erst im letzten Versuch für das Finale gerettet.
Im ARD-Interview sagte Mihambo anschließend: „Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man. Es ist schade, weil ich weiß, dass mein bester Sprung nicht gewertet wurde. Mehr wäre möglich gewesen. Kleine Details haben heute nicht gepasst, und deswegen hat es nicht gereicht.“ Sie könne nicht sagen, dass sie schlecht gesprungen sei, aber genau diese kleinen Dinge hätten den Erfolg verhindert.
Wir sind auf einem sehr guten Weg mit größerer Breite und jüngeren Athletinnen und Athleten. Wir müssen jetzt nicht überheblich werden.
Blick auf Peking und Los Angeles
Für DLV-Sportdirektor Jörg Bügner ist das Ergebnis von Birmingham vor allem ein Beleg für gelungene Nachwuchsarbeit. Die 21 Medaillen zeigten, dass sich Breite und Selbstvertrauen der Mannschaft verschöben, sagte er gegenüber der Sportschau. Zugleich warnte er vor Selbstzufriedenheit: Man dürfe jetzt nicht überheblich werden.
Die nächsten Prüfsteine folgen zügig. Im September 2027 stehen die Weltmeisterschaften in Peking an, ein Jahr später die Olympischen Spiele in Los Angeles. Dort werde sich zeigen, ob der aktuelle Aufwärtstrend über die kontinentale Ebene hinausträgt. „Der entscheidende Wettkampf findet in zwei Jahren in Los Angeles statt, mit der gesamten Welt“, formulierte Bügner nüchtern. Zunächst aber verbucht der DLV die 21 Medaillen als beste EM-Ausbeute seit einer Generation.