Am Flughafen Leipzig/Halle hat ein Mitarbeiter in der Nacht zum Mittwoch eine Drohne mit einem Sprengsatz auf dem Vorfeld entdeckt, wenige Meter neben mehreren ukrainischen Antonow-Frachtern. Der Zünder war nach ersten Erkenntnissen defekt, eine Detonation blieb aus. Die Bundespolizei sperrte die Südbahn, ein Entschärfungsteam machte das Gerät unschädlich. Der Flugbetrieb konnte erst gegen 2 Uhr im Nordbereich wieder aufgenommen werden.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach am Mittwoch von einer „professionellen hybriden Bedrohungslage“. Dass eine Drohne mit militärischem Sprengstoff auf einem deutschen Flughafengelände abgesetzt werde, sei eine neue Bedrohungsqualität, betonte er vor Journalisten. „Das alles deutet nicht auf amateurhaftes Vorgehen hin“, sagte Dobrindt. Für Bau und Einsatz eines solchen Sprengkörpers brauche es hohe Technik- und Sprengstoffkenntnisse; nach Angaben von Sicherheitskreisen enthielt das Paket den plastischen Sprengstoff Semtex.

Die Antonow-Frachter, in deren Nähe die Drohne lag, stehen unter Nato-Vertrag: Sechs Maschinen der Antonov Airlines nutzt das Bündnis über das Programm SALIS („Strategic Airlift International Solution“) für strategische Großtransporte. Nach der russischen Invasion hatte das ukrainische Unternehmen 2022 den Betrieb von seinem zerstörten Hauptstandort Hostomel nach Sachsen verlagert. Die Wartungsbasis in Leipzig besteht seit 2006.

Zweiter Vorfall in derselben Nacht

Während die Südbahn gesperrt war, kollidierte etwa sechs Kilometer entfernt in rund 400 Metern Höhe ein weiteres unbekanntes Objekt mit einer DHL-Frachtmaschine, die aufgrund der Sperrung ausweichen musste. Das Flugzeug landete anschließend mit Schäden an der Front sicher in Hannover. Ein Passagierflug und mehrere Frachter wurden auf umliegende Flughäfen umgeleitet. Verletzte gab es nicht.

Wir reden hier von einer professionellen hybriden Bedrohungslage, mit der wir uns weiter auseinandersetzen müssen.
- Alexander Dobrindt, Bundesinnenminister, gegenüber Journalisten

Ermittler prüfen Russland-Bezug

Für die Ermittlungen zuständig sind die Generalstaatsanwaltschaft Dresden und das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismusabwehrzentrum (PTAZ); auch das Gemeinsame Drohnenabwehrzentrum ist eingebunden. Der ukrainische Botschafter in Berlin, Oleksii Makeiev, sagte am Mittwoch: „Wer könnte es sonst sein als Russland?“ Der CDU-Verteidigungspolitiker Roderich Kiesewetter geht von einem „gezielten hybriden Angriff“ aus, das Vorgehen passe zum Modus Operandi Moskaus.

Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) sprach von einem „sehr ernsten Sicherheitsvorfall“. Ein konkreter Tatverdächtiger war zunächst nicht benannt. Der Bund hatte seine Drohnenabwehr um Bundeswehrliegenschaften und kritische Infrastruktur in den vergangenen Monaten ausgebaut, nachdem über militärischen Anlagen in Norddeutschland und über der Ostsee mehrfach unbekannte Fluggeräte gesichtet worden waren. Wie der Tagesspiegel berichtet, hatte ein Mitarbeiter die Drohne um 23:42 Uhr gemeldet, als sie niedrig über das Vorfeld glitt. Der Sprengsatz wurde nach der Entschärfung am Nachmittag kontrolliert zur Detonation gebracht.