Bayer 04 Leverkusen hat am Donnerstagnachmittag die Trennung von Trainer Kasper Hjulmand und die Verpflichtung des Spaniers Carles Martínez Novell als Nachfolger bekannt gegeben. Der 42-Jährige kommt ablösefrei vom FC Toulouse und unterschreibt einen Vertrag bis zum 30. Juni 2028, wirksam ab dem 1. Juli. Der dänische Trainer geht damit ein Jahr früher als ursprünglich vereinbart - sein Arbeitspapier in Leverkusen wäre regulär bis 2027 gelaufen.
Hjulmand hatte den Posten Ende August nach dem zweiten Spieltag übernommen, als Bayer sich von Erik ten Hag getrennt hatte. Sportlich begann sein Jahr ordentlich, doch ab dem Jahreswechsel kippte die Bilanz. Zwischen Januar und Mai holte Leverkusen aus 19 Pflichtspielen nur acht Siege und 30 Punkte, wie der Tagesspiegel vorrechnet, und rutschte in der Tabelle vom oberen Drittel auf Rang sechs ab. Am letzten Spieltag besiegelte ein 1:1 gegen den Aufsteiger Hamburger SV das Verfehlen der Champions-League-Plätze, die Stuttgart und RB Leipzig im Schlussspurt zurückeroberten.
Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes begründete den Personalwechsel auf Bayer04.de mit einer Bestandsaufnahme: „Wir haben uns intensiv mit der Frage beschäftigt, welcher Trainer am besten zur nächsten Entwicklungsphase von Bayer 04 passt. Carles Martínez Novell hat in Toulouse zahlreiche junge Spieler erfolgreich weiterentwickelt und eine international geprägte Mannschaft zu einer starken Einheit geformt.“ Rolfes nannte Martínez Novell einen Trainer „mit klaren Prinzipien und einer modernen Spielidee“, der „die richtigen Impulse für unsere sportliche Zukunft setzen“ könne.
Carles ist ein Trainer mit klaren Prinzipien und einer modernen Spielidee.
Vom Barça-Nachwuchs in die Bundesliga
Martínez Novell, gebürtiger Katalane, kam 2015 in die Talentschmiede La Masia und trainierte dort bis 2019 die U14 und U16 des FC Barcelona. Zu seinen Schützlingen zählten nach Vereinsangaben Gavi, Xavi Simons und Ansu Fati. Im Dezember 2023 holte ihn der FC Toulouse zunächst als Methodik-Chef und Co-Trainer von Philippe Montanier; nach knapp einem halben Jahr übernahm er das Cheftraineramt. Mit Toulouse hielt er den Zweitliga-Aufsteiger drei Jahre in Folge in der Ligue 1, erreichte 2024/25 das beste Ergebnis seit zehn Jahren und beendete die abgelaufene Spielzeit auf Rang neun. Toulouse erwirtschaftete in seiner Amtszeit nach Eurosport-Angaben rund 80 Millionen Euro Transferplus.
Geschäftsführer Fernando Carro betonte in der Vereinsmitteilung den Anschluss an das Profil des Klubs: „Er verkörpert einen modernen Trainer-Typus, der unsere hochveranlagte Mannschaft entwickeln, auf ein konstant hohes Level heben und zu zählbaren Erfolgen führen kann.“ In der Saison 2026/27 spielt Bayer 04 in der Europa League - eine sportlich kleinere Bühne als die Champions League, die der Verein als Mindestziel ausgegeben hatte.
Für Hjulmand, der nach dem EM-Aus Dänemarks 2024 zunächst eine Auszeit genommen hatte und in Leverkusen seine Rückkehr in den Klub-Alltag wagte, endet das Bundesliga-Kapitel nach weniger als zehn Monaten. Die Werkself selbst steht damit binnen zweier Sommer vor dem dritten Trainerwechsel - eine Folge des Abgangs von Xabi Alonso nach Madrid, der Bayer auf die Suche nach einem dauerhaften Nachfolger schickt.