Luis Enrique stand am späten Samstagabend mit dem Champions-League-Pokal in der Hand auf dem Rasen der Puskás-Aréna - und sortierte sich umgehend selbst ein. „Legende? Das interessiert mich nicht“, sagte der 56 Jahre alte Spanier nach dem 4:3 im Elfmeterschießen gegen den FC Arsenal gegenüber t-online. Wenig später ergänzte er: „Es ist der beste Moment der Saison. Wir sind wieder Champions, zum zweiten Mal in Folge. Das ist unglaublich.“ Mit dem zweiten Triumph in Serie ist Enrique in einen Klub aufgestiegen, dem nur drei aktive oder jüngst aktive Trainer angehören.
Drei Champions-League-Titel als Cheftrainer haben vor ihm nur Zinédine Zidane, Pep Guardiola und Carlo Ancelotti geholt. Zidane gewann mit Real Madrid 2016, 2017 und 2018 als bislang einziger Trainer dreimal in Folge. Guardiola triumphierte 2009 und 2011 mit dem FC Barcelona sowie 2023 mit Manchester City. Ancelotti hat sechs Endspiele bestritten und fünfmal gewonnen, zweimal mit dem AC Mailand und dreimal mit Real Madrid. Enrique selbst stand zuvor 2015 mit Barça in München beim 3:1 gegen Juventus an der Linie. Es folgten ein 5:0 gegen Inter im Vorjahr und nun das Endspiel von Budapest, gewonnen, weil Arsenal-Verteidiger Gabriel Magalhães seinen Versuch über das Tor von Matwei Safonow setzte.
Wir folgen ihm, wir vertrauen ihm. Wir sind nicht nur ein Team, wir sind Familie.
Wie t-online aus dem Umfeld der Pariser Mannschaft zitiert, ist es vor allem die Bindung an den Trainer, die das Team seit dem Abgang Kylian Mbappés im Sommer 2024 zusammenhält. Mittelfeldspieler Vitinha sagte nach dem Finale: „Dieser Wille, immer mehr zu gewinnen - dafür ist Luis Enrique verantwortlich. Ich hoffe, er treibt uns an, noch mehr zu gewinnen.“ Kapitän Marquinhos formulierte es gegenüber der südafrikanischen Tageszeitung The Herald ähnlich: „Wir haben einen Trainer, der uns zum dritten Titel treiben wird.“ Dass die Mannschaft trotz schwerer Verletzungen von Ousmane Dembélé, Achraf Hakimi und João Neves im Saisonverlauf den Titel verteidigte, gilt als Beleg für die Tiefe des Kaders, den Enrique über zwei Saisons formte.
Zweites Team nach Real Madrid mit erfolgreicher Titelverteidigung
Paris ist damit erst die zweite Mannschaft, die in der reformierten Champions League seit 1992 ihren Titel verteidigen konnte. Vorher gelang das ausschließlich Real Madrid zwischen 2016 und 2018. Enriques sportlicher Weg dorthin war kein linearer: Auf dem Weg ins Endspiel schaltete PSG nach Angaben der UEFA unter anderem Bayern München im Viertelfinale und den FC Liverpool im Achtelfinale aus, schon in der Ligaphase hatte Paris den späteren englischen Meister Manchester City geschlagen. Vereinspräsident Nasser Al-Khelaifi nannte den Spanier nach dem Finale „den besten Trainer der Welt“, wie The Herald berichtete.
Wie es weitergeht, ließ Enrique offen. Auf die Frage nach einem dritten Titel im kommenden Jahr antwortete er lachend: „Ich hoffe es“, wie die Sportschau in der Nachberichterstattung wiedergab. Konkreter wurde er beim Blick auf den Sommer: Vom 14. Juni an spielt Paris in den USA bei der erstmals im neuen XXL-Format ausgetragenen Klub-Weltmeisterschaft, der Auftakt findet im Rose Bowl von Pasadena gegen Atlético Madrid statt. Die spanische Marca bezeichnete den Trainer am Sonntagmorgen als denjenigen, der „PSG in den Olymp der Champions League“ geführt habe. Dort, in solcher Gesellschaft, war Luis Enrique vor dem Samstagabend in Budapest noch nicht angekommen.