Der US-Rapper Macklemore ist aus dem Vorprogramm von Ed Sheerans „Loop Tour“ gestrichen worden, nachdem er bei den Shows am 4. und 5. September im MetLife Stadium in New Jersey pro-palästinensische Statements auf die Bühne gebracht hatte. Sheerans Team habe die Entscheidung getroffen, ihn nicht auf den weiteren Terminen mitzunehmen, teilte Macklemore am Sonntag auf Instagram mit. Mehrere Stadion-Betreiber hätten dem Tourveranstalter Messina Touring Group angekündigt, dem Rapper Hausverbot zu erteilen, sollte er bleiben.
Der Auftakt der Eskalation liegt zehn Tage zurück: Auf der Bühne des MetLife Stadium hatte Macklemore erklärt, einer der Gründe für die Tour sei es gewesen, „auf Bühnen und in Stadien in ganz Amerika zwei Wörter aussprechen zu können, die mir sehr am Herzen liegen: Free Palestine“. Danach spielte er „Hind's Hall“, seinen 2024 veröffentlichten Song, der die propalästinensischen Studentenproteste an der Columbia University aufgreift. Auf den Videowänden liefen Bilder aus dem Gazastreifen.
Die schärfste Reaktion kam von Robert Kraft, Milliardär und Eigentümer der New England Patriots. Kraft strich die Sheeran-Termine am 25. und 26. September im Gillette Stadium in Foxborough, für die Macklemore ebenfalls gebucht war. In seiner Begründung verwies der Patriots-Eigner nicht nur auf die MetLife-Auftritte, sondern auf eine aus seiner Sicht „umfassendere Geschichte antisemitischer Rhetorik und Bildsprache“. Die Entscheidung ziele „nicht darauf ab, das Leid unschuldiger Palästinenser kleinzureden oder irgendjemandem das Recht zu nehmen, sich für sie einzusetzen“, teilte Kraft mit. Aber „dieser Einsatz sollte nicht auf Kosten der jüdischen Gemeinschaft gehen oder die Verantwortung der Hamas verschleiern“.
Kritik an Israel, Kritik an Apartheid, die Ablehnung von Genozid - das ist in keiner Weise Kritik an euch.
Macklemore weist den Antisemitismus-Vorwurf zurück. In seinem Statement adressiert er die jüdische Community direkt und schreibt, wer Antisemitismus mit Israel-Kritik gleichsetze, wolle vor allem die israelische Verantwortung aus dem Diskurs nehmen. Ed Sheeran und dessen Presseteam äußerten sich bis Sonntag nicht öffentlich zu der Entscheidung. Macklemore zitiert Sheerans Position in seinem Post mit dem Satz „Ich ergreife keine Partei“, wie Al Jazeera berichtet.
Eine Kampagne mehrerer Organisationen
Vorausgegangen war eine koordinierte Kampagne pro-israelischer Organisationen. Der Israeli American Council startete eine Petition, in der Sheeran zur Trennung von Macklemore aufgefordert wurde. Auch Stop Antisemitism und die Anti-Defamation League verlangten öffentlich die Absetzung des Rappers. Nach Angaben von Al Jazeera hat die Redaktion die von Macklemore erhobenen Vorwürfe, Kraft habe hinter den Kulissen weitere Stadionbetreiber unter Druck gesetzt, nicht unabhängig verifiziert.
Für Macklemore, dessen bürgerlicher Name Benjamin Haggerty lautet, ist die Positionierung zum Nahost-Konflikt nicht neu. Bereits 2024 hatte er mit „Hind's Hall“ einen Song veröffentlicht, dessen Einnahmen er an das UN-Palästinenserhilfswerk UNRWA spendete. Bei seinem Konzert in Berlin im Sommer 2024 hatte er ähnliche Botschaften ins Publikum getragen. Neu ist die Größe der Bühne: Sheerans Loop Tour spielt in US-Football-Stadien vor rund 60.000 Zuschauern pro Abend.
Kraft signalisiert Gesprächsbereitschaft - unter Bedingungen. Er würde „die Gelegenheit begrüßen, mich mit Macklemore hinzusetzen und die Fakten zu besprechen“, zitiert ihn der Bostoner Sender GBH. Ob dazu kommt, ist offen. Fest steht: Ed Sheeran spielt die restliche Loop Tour ohne seinen bisherigen Opener - und muss sich fragen lassen, warum sein eigenes Team zur Personalie schweigt.