Malta gibt seinen Einwohnern ChatGPT auf Staatskosten. Am Freitag kündigten OpenAI und die maltesische Regierung eine Partnerschaft an, die jedem Bürger und jedem registrierten Einwohner des EU-Inselstaats ein Jahr lang kostenlosen Zugang zu ChatGPT Plus verschafft - dem Bezahltarif, der in den USA regulär rund 20 Dollar im Monat kostet. Es ist nach Angaben beider Seiten das erste Mal, dass ein Land eine solche Vereinbarung in nationalem Maßstab schließt.

Den Zugang gibt es nicht bedingungslos. Wer das Abo will, muss zuvor einen kostenlosen Online-Kurs absolvieren. Das Programm trägt den Namen „AI for All“ und wurde von der Universität Malta entwickelt; es vermittelt in kompakter Form, was künstliche Intelligenz ist, was sie kann und was nicht und wie man sie zu Hause und am Arbeitsplatz verantwortungsvoll nutzt. Verwaltet wird die Ausgabe der Abos von der Malta Digital Innovation Authority, abgewickelt über das digitale Identitätssystem des Landes. Auch im Ausland lebende maltesische Staatsbürger können teilnehmen. Die erste Phase startet noch im Mai, ausgeweitet werden soll das Angebot, je mehr Menschen den Kurs abschließen.

Malta hat rund 574.000 Einwohner - der Staat positioniert die Aktion entsprechend als flächendeckende Qualifizierungsoffensive, nicht als bloße Lizenzaktion. Wirtschaftsminister Silvio Schembri sagte laut der Nachrichtenagentur Reuters, man verwandle „ein unvertrautes Konzept in praktische Hilfe“. Die Regierung wolle verhindern, dass die eigene Bevölkerung beim Sprung ins KI-Zeitalter zurückbleibe.

Malta ist das erste Land, das eine Partnerschaft dieser Größenordnung eingeht, weil wir nicht zulassen, dass unsere Bürger im digitalen Zeitalter zurückbleiben.
- Silvio Schembri, maltesischer Wirtschaftsminister, laut Reuters

Für OpenAI ist der Deal mehr als ein Marketingerfolg. Der Konzern baut unter dem Label „OpenAI for Countries“ ein Netz staatlicher Partnerschaften auf, mit denen er Regierungen bei nationalen KI-Strategien einbindet - und damit ganze Bevölkerungen an seine Produkte gewöhnt. In der Ankündigung erklärte OpenAI, Malta gehe voran und zeige, wie Länder ihre Bürger befähigen könnten, vom „transformativen Potenzial“ der Technologie zu profitieren. Parallel wirbt der Rivale Anthropic mit ähnlichen Vorstößen um Staaten: In Island erhalten Lehrkräfte Zugang zum Chatbot Claude, mit Griechenland gibt es eine Vereinbarung für den Sekundarbereich, mit Großbritannien eine Absichtserklärung. Der Wettlauf um nationale KI-Infrastruktur läuft, und kleine, digital ehrgeizige Staaten sind die ersten Testfälle.

Ein EU-Staat lotst seine Bürger zu einem US-Anbieter

Genau dieser Punkt macht den maltesischen Schritt heikel. Ein EU-Mitgliedstaat steuert seine Einwohner aktiv auf einen US-amerikanischen Consumer-Dienst - betrieben von einem Unternehmen, das seine Daten auf Servern in den Vereinigten Staaten verarbeitet. Datenschützer kritisieren seit Längerem, dass die Datenverarbeitung bei ChatGPT intransparent bleibt und sich mit den Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung nur schwer in Einklang bringen lässt. Hinzu kommt die EU-KI-Verordnung, deren erste Bestimmungen seit Februar 2025 gelten und die Systeme wie ChatGPT als KI mit allgemeinem Verwendungszweck einstuft.

Befürworter halten dagegen, dass ein verpflichtender Aufklärungskurs vor dem Zugang genau die Medienkompetenz schafft, die in der Debatte sonst gefordert wird - statt KI-Nutzung zu verbieten oder dem Zufall zu überlassen. Ob das Modell trotz der offenen datenschutzrechtlichen Fragen Schule macht, dürften andere Regierungen genau beobachten. Malta ist klein genug, um als Versuchslabor zu dienen, und sichtbar genug, damit das Ergebnis in Brüssel und in den Hauptstädten registriert wird.