Als Murat Yakin in der 71. Minute Johan Manzambi, Ruben Vargas und Djibril Sow gleichzeitig brachte, stand es im SoFi Stadium von Inglewood noch 0:0. Knapp 26 Minuten später hatte die Schweiz Bosnien-Herzegowina 4:1 geschlagen, vier Punkte in Gruppe B und beste Aussichten auf die K.-o.-Runde der WM 2026. Manzambi, der 20-jährige Mittelfeldspieler des SC Freiburg, traf in der 74. und in der 90. Minute, leitete das 2:0 von Vargas ein und wurde zum Mann des Spiels gewählt.

Bis zum Dreifachwechsel war die Partie ein zähes Ringen. Die Schweiz hatte die erste Hälfte dominiert, ohne ihre Chancen zu nutzen, Bosnien lauerte auf Konter. Erst nach der zweiten Trinkpause griff Yakin entschlossen ein. „Yakin, der an der EM vor zwei Jahren grundsätzlich richtig entschieden hat, wirkte zunächst, als habe er sich verkalkuliert“, schreibt das Portal Watson, bevor die Wechsel das Spiel kippten. Vargas erhöhte in der 84. Minute auf Vorlage von Embolo, Manzambi sorgte mit seinem zweiten Treffer für die Vorentscheidung. Ermin Mahmić verkürzte in der Nachspielzeit, Granit Xhaka stellte per Foulelfmeter den 4:1-Endstand her. Schiedsrichter Tiago Silva Pinheiro aus Portugal leitete die Partie vor 70.026 Zuschauern.

Das ist wie ein Traum. Dass ich bei einer WM spielen kann und dann zwei Tore schieße.
- Johan Manzambi, gegenüber SRF

Manzambi ist in Genf geboren, durchlief die Jugend von Servette und wechselte 2023 in den Nachwuchs des SC Freiburg. In der Bundesliga-Saison 2025/26 kam er auf 47 Pflichtspieleinsätze und 16 Torbeteiligungen, half Freiburg ins Europa-League-Finale gegen Aston Villa und wurde anschließend zum „Young Player of the Season“ des Wettbewerbs gewählt. Sein WM-Auftritt in Inglewood macht ihn nun auch international zur Geschichte: Mit 20 Jahren und 247 Tagen ist er laut Wikipedia-Eintrag der jüngste Schweizer Spieler, der bei einer Fußball-WM zwei Tore in einem Spiel erzielt hat.

Die Frage vor dem Spiel gegen Kanada

Die Schweizer Presse reagierte mit großen Überschriften. Der Blick taufte den Freiburger „Sankt Johan“ und verwies darauf, dass Manzambi zeige, „warum sein Marktwert in die Höhe geschossen ist“. Die NZZ formulierte das Trainer-Dilemma so direkt, wie es nach diesem Auftritt nur formulierbar war: „Wie viel Manzambi traut sich Yakin?“ Auch der Tages-Anzeiger zog Vergleiche zum zurückgetretenen Xherdan Shaqiri und attestierte dem 20-Jährigen „dieses gewisse Etwas“. In der Startelf gegen Bosnien stand Manzambi nicht; die Mittelfeldachse bildeten Michel Aebischer, Xhaka und Remo Freuler, dahinter Fabian Rieder als Zehner.

Am 24. Juni trifft die Schweiz im Gruppenfinale in Vancouver auf Kanada. Yakin hat dann drei Optionen: bei der bewährten Achse bleiben, Manzambi als zusätzliche Offensivkraft hereinrücken lassen oder Rieder weichen. Manzambi selbst gab sich nach Abpfiff demonstrativ ruhig. „Heute Abend kann ich sicher nicht schlafen“, sagte er dem SRF, „aber Entscheidungen über die Startelf trifft der Trainer.“ Xhaka, der Kapitän, formulierte den Auftrag knapp: „Mit diesem Hunger und dieser Qualität müssen wir weitermachen.“ Was nach der zweiten Trinkpause von Inglewood entstand, hat die Hierarchie im Schweizer Kader für einen Abend verschoben. Wie nachhaltig, entscheidet sich am Mittwoch in British Columbia.