Eine mittelalterliche Regentin hat sich am Samstag in die deutschen Wikipedia-Charts geschoben: Der Artikel über Margarethe I., Begründerin der Kalmarer Union, gehört zu den meistgelesenen Seiten des Tages. Auslöser ist Charlotte Sielings Historiendrama „Die Königin des Nordens“, das 3sat am Freitagabend um 20:15 Uhr im Hauptabendprogramm zeigte.
Der dänisch-norwegisch-schwedische Film aus dem Jahr 2021 mit Trine Dyrholm in der Titelrolle erzählt von einer ungekrönten Herrscherin, die drei skandinavische Königreiche unter sich vereinte und die Union notfalls auch gegen den eigenen totgeglaubten Sohn verteidigen muss. Drehbuch und Regie kommen von Sieling, die zuvor an „Borgen“ und „Homeland“ beteiligt war. Das Dänische Filminstitut förderte die Produktion mit 20 Millionen Kronen, der höchsten Einzelförderung in seiner Geschichte, wie das Institut auf seiner Website angibt.
Eine reguläre Wiederholung im linearen Programm ist nach 3sat-Angaben vorerst nicht vorgesehen, der Film stehe aber in der Mediathek bereit, berichtet das Portal spielfilm.de. Filmstarts vergab in seiner Kritik vier von fünf Sternen und nannte das Werk „wie 'Game Of Thrones', nur in echt und ohne Drachen“. Wer am Freitagabend einschaltete, fand sich nach 117 Minuten im Roskilde des Jahres 1402 wieder, vor der Frage, wie weit eine Regentin gehen darf, um ihr Reich zusammenzuhalten.
Wie 'Game Of Thrones', nur in echt und ohne Drachen.
Wer war Margarethe I.
Margarethe I. lebte von 1353 bis 1412 und gilt als eine der wirkungsmächtigsten Figuren des skandinavischen Mittelalters. Bereits als Achtjährige erlebte sie 1361 die Schlacht von Visby auf Gotland, in der ihr Vater, der dänische König Waldemar IV. Atterdag, eine schwedisch-gotländische Streitmacht schlug, wie das Onlineportal der katholischen Tagespost in einer Filmbesprechung schildert. Ihren eigenen Sohn Olav II. verlor sie 1387 mit nur 17 Jahren.
Den Höhepunkt ihrer politischen Karriere markiert die Krönung Erichs von Pommern am 17. Juni 1397 in Kalmar zum König von Dänemark, Norwegen und Schweden. Margarethe selbst, die sich seit 1375 als Königin von Schweden bezeichnete, wurde nie förmlich gekrönt, regierte aber über drei Reiche faktisch allein. Die Kalmarer Union hielt rund 150 Jahre, bis sie 1523 mit dem Austritt Schwedens unter Gustav Wasa zerbrach.
Dass die heutige dänische Königin Margrethe II. die römische Zwei im Namen trägt, ist eine bewusste Verbeugung vor der historischen Vorgängerin. Margrethe II. dankte im Januar 2024 ab und wurde zuletzt nach einem Krankenhausaufenthalt wegen Angina pectoris im Mai 2026 entlassen, wie das dänische Königshaus mitteilte. Während also die lebende Margrethe in Kopenhagen genest, klickt sich die deutschsprachige Öffentlichkeit am Samstagvormittag durch das Leben jener Margarethe, die vor sechs Jahrhunderten Skandinavien zusammenhielt.