Am kommenden Dienstag wird Marianne Koch 95 Jahre alt. Rund um den Geburtstag setzen gleich mehrere Häuser Akzente: Am 13. August erschien im dtv Verlag ihr Memoir „Mutig sein! - Erinnerungen an abenteuerliche 95 Jahre“, seit dem 14. August steht in der ARD-Mediathek das Zeitzeugenporträt „Zeugin der Zeit: Dr. Marianne Koch - Mehr als ein Leben“ von Michaela Wilhelm-Fischer bereit, das ARD-alpha am Sonntagabend um 20.15 Uhr als Deutsche Erstausstrahlung zeigte. Der Bayerische Rundfunk sendete am 17. August zudem eine „Lebenslinien“-Ausgabe über die Ärztin auf dem roten Teppich.

Das Memoir umfasst 144 Seiten und schaffte es laut dtv auf Anhieb in die Spiegel-Bestsellerliste. Koch beschreibt darin, wie sie ihre eigentliche Berufung erst mit über vierzig fand - und blickt mit einer bemerkenswert nüchternen Zufriedenheit zurück. „Bis jetzt ist es ganz gut gelaufen“, notiert sie an einer Stelle. Gegenüber der Abendzeitung München sagte sie zum Geburtstag: „Es ist ein merkwürdiges Gefühl, so alt zu werden.“ Ihre Großmutter und ihre Mutter seien beide 94 geworden.

Vom Kinostar zur Ärztin

Kochs erste Karriere begann Mitte der 1950er Jahre. Der Durchbruch kam 1955 mit Helmut Käutners „Ludwig II.“, bis 1970 stand sie in rund siebzig Produktionen vor der Kamera - unter anderem an der Seite von Curd Jürgens, Heinz Rühmann, Gregory Peck und Clint Eastwood. 1973 kehrte sie an die Universität zurück, promovierte in Medizin und eröffnete 1985 eine internistische Praxis in München, die sie bis 1997 führte.

Parallel blieb Koch als Moderatorin präsent. Für ihre Arbeit bei „3 nach 9“ erhielt sie 1976 den Grimme-Preis, jahrzehntelang gehörte sie zur Rateshow „Was bin ich?“. Im September 2000 startete auf Bayern 2 das „Gesundheitsgespräch“, das sie im September 2025 im Alter von 94 Jahren nach 25 Jahren abgab. Als langjährige Präsidentin der Deutschen Schmerzliga wurde sie 2019 mit der Paracelsus-Medaille der Bundesärztekammer geehrt, 2023 folgte das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse.

NS-Zeit als Familiengeheimnis

Wilhelm-Fischers Dokumentation rückt einen Aspekt in den Mittelpunkt, der lange im Hintergrund stand: Kochs Vater, der Münchner Internist Rudolf Schindler, war jüdischer Herkunft und musste früh emigrieren. Für die Familie wurde seine Herkunft zum gefährlichen Geheimnis. Auch das Schicksal ihres Onkels, eines Opfers der NS-„Euthanasie“, sprechen Autorin und Zeitzeugin im Film an - ein Kapitel, das die deutsche Nachkriegserzählung selten ausleuchtete.

Ich hatte Glück - und deshalb ist das vorherrschende Gefühl Dankbarkeit.
- Marianne Koch, Abendzeitung München

Ihren 95. Geburtstag will Koch ohne großes Aufheben begehen: „gemütlich, mit meiner Familie und meinem kleinen Hund“, sagte sie t-online. Seit über fünfzig Jahren lebt sie am Starnberger See.