Am Montag wäre Marilyn Monroe 100 Jahre alt geworden. Norma Jeane Mortenson, geboren am 1. Juni 1926 in Los Angeles und 1962 im Alter von 36 Jahren in ihrem Haus in Brentwood gestorben, kehrt zum Jubiläum in den Vordergrund des deutschsprachigen Feuilletons zurück - allerdings in einer Lesart, die mit dem klassischen Blondinen-Mythos hörbar abrechnet.
Das ZDF widmete ihr in der Reihe Terra X History am 24. Mai die 45-minütige Dokumentation „100 Jahre Marilyn Monroe - Ihr wahres Gesicht“. Sie stützt sich auf Tagebücher, Briefe und Notizen, die der französische Verleger Bernard Comment 2010 auf einem New Yorker Dachboden entdeckt und seither in mehreren Bänden ediert hat. Am 1. Juni nahmen sich auch Kulturzeit und ZDF-Mittagsmagazin der Filmikone an. Die NZZ beschrieb die Schauspielerin in einem Geburtstagstext als die Frau, „die nicht einfach sein durfte“.
Parallel laufen in Deutschland und Österreich mehrere Ausstellungen. Das Filmmuseum Düsseldorf zeigt unter dem Titel „Celebrating Marilyn!“ vom 2. Mai bis 20. Juni eine Filmreihe mit neun Hauptwerken sowie eine Studioausstellung, die den Marilyn-Mythos kritisch durchleuchtet. Im hessischen Bad Nauheim präsentiert die Galerie 22 bis zum 28. Juni die Schau „100 Jahre Marilyn Monroe“. Die Swarovski Kristallwelten in Wattens haben Monroe eine eigene Hommage gewidmet.
Vom Sexsymbol zur Diaristin
Was die Hommagen verbindet, ist die Distanz zum klassischen Hollywood-Glamour. Im Zentrum stehen nicht mehr die Studioporträts, sondern die nachgelassenen Privatnotizen. Bernard Comment hat sie in Interviews als „Seelenprotokolle“ bezeichnet. Die Funde belegen unter anderem eine zeitweilige Medikamenten- und Alkoholabhängigkeit während der Dreharbeiten zu „Manche mögen's heiß“ 1958 sowie scharfe Tagebucheinträge ihres späteren Ehemanns Arthur Miller, in denen er sie nach der Hochzeit abwertend beschreibt.
Die Werkbiografie ist seit Jahrzehnten kanonisiert: „Blondinen bevorzugt“ 1953, „Das verflixte siebte Jahr“ 1955, „Manche mögen's heiß“ 1959. Verschoben hat sich der Erzählmodus. Die Düsseldorfer Schau unterzieht die ikonischen Studio-Fotos einer eigenen Lektüre, statt sie als Lobpreisung des Sexsymbols zu reproduzieren. ZDF und Stadtzeitung Singen, wo ebenfalls eine Schau läuft, schlagen die gleiche Linie an: weg vom Mythos, hin zur Person.
Monroe selbst bleibt das offene Material dieser Hommagen. Hundert Jahre nach der Geburt von Norma Jeane Mortenson laufen die Tribute weiter, auch wenn das letzte „Happy birthday, Mr. President“ aus dem Madison Square Garden 1962 fast sechs Jahrzehnte zurückliegt. Auf TikTok und Instagram ist Monroe längst Ikone einer Generation, die sie nicht mehr im Kino, sondern in Outfits, Briefen und Diaristischem entdeckt - genau dort, wo die Düsseldorfer und Mainzer Kuratorinnen jetzt ansetzen.