Marjane Satrapi ist tot. Die iranisch-französische Comiczeichnerin und Filmemacherin starb am Donnerstag im Alter von 56 Jahren in Paris. Den Tod bestätigte zunächst das Büro von Präsident Emmanuel Macron, in Deutschland berichteten unter anderem der Tagesspiegel und die Tiroler Tageszeitung. Mit Satrapi verliert die internationale Comic- und Filmwelt eine ihrer prägendsten Stimmen, deren autobiografische Graphic Novel „Persepolis“ das Genre Anfang der 2000er aus seiner Nische geholt hatte.

Über die Umstände verbreitete sich eine Erklärung aus dem Umfeld der Familie, die die Nachrichtenagentur AFP veröffentlichte. Satrapi sei „aus Kummer gestorben, etwas mehr als ein Jahr nach dem Tod von Mattias Ripa, ihrem Ehemann und der Liebe ihres Lebens“, hieß es darin. Der schwedische Produzent und Schauspieler, mit dem sie verheiratet war, war am 8. April 2025 gestorben. Eine medizinische Ursache nannten weder die Familie noch der Élysée.

Geboren wurde Satrapi am 22. November 1969 in Rascht im Norden Irans, aufgewachsen ist sie in einem bürgerlich-linken Elternhaus in Teheran. 1984, mit 14 Jahren, schickten ihre Eltern sie nach Wien, um sie der Repression der Islamischen Republik und dem ersten Golfkrieg zu entziehen. Diese Brüche - Kindheit unter den Mullahs, Exil als Teenagerin in Europa - sind der Stoff von „Persepolis“, das zwischen 2000 und 2003 in vier Bänden auf Französisch erschien und in Dutzende Sprachen übersetzt wurde.

Eine Symbolfigur für das iranische Volk und für die Frauenrechte.
- Emmanuel Macron, französischer Präsident

Der Weg von Cannes nach Hollywood

2007 verfilmte Satrapi den Stoff gemeinsam mit dem Comic-Künstler Vincent Paronnaud in einer eigenwilligen Schwarz-Weiß-Animation. Der Film gewann in Cannes den Preis der Jury und brachte ihr 2008 eine Oscar-Nominierung in der Sparte „Bester Animationsfilm“ ein - als erste Frau in dieser Kategorie. Es folgten weitere Arbeiten als Regisseurin, darunter „Huhn mit Pflaumen“ (2011), „The Voices“ (2014) und „Radioactive“ (2019) über die Physikerin Marie Curie. 1994 war Satrapi nach Frankreich gezogen, 2006 wurde sie eingebürgert.

Politisch blieb sie eine deutliche Stimme. Im Januar 2025 lehnte sie die Aufnahme in die französische Ehrenlegion ab und warf der Regierung Heuchelei in der Iran-Politik vor. Ihr letztes Comic-Buch „Frau, Leben, Freiheit“ hatte sie 2023 als Reaktion auf die Proteste nach dem Tod der Kurdin Jina Mahsa Amini in iranischer Haft veröffentlicht. Macron würdigte sie nach Angaben des Tagesspiegels als „Symbolfigur für das iranische Volk und für die Frauenrechte“, die ihre eigene Kindheit „in eine universelle Geschichte verwandelt“ habe. Eine Todesursache hat die Familie nicht öffentlich gemacht - in ihrem Werk hat Satrapi mit der ihr eigenen Mischung aus Trauer und Humor stets darauf bestanden, dass auch Privates politisch lesbar ist.