Die iranisch-französische Comic-Zeichnerin Marjane Satrapi ist tot. Wie das Büro von Präsident Emmanuel Macron am Donnerstag in Paris bestätigte, starb die Autorin am 4. Juni im Alter von 56 Jahren. Ihre Familie teilte der Nachrichtenagentur AFP mit, Satrapi sei „aus Trauer“ gestorben, gut ein Jahr nach dem Tod ihres Ehemanns Mattias Ripa.

Bekannt wurde Satrapi mit „Persepolis“, ihrer zwischen 2000 und 2003 in vier Bänden erschienenen autobiographischen Graphic Novel. Erzählt aus der Perspektive eines Kindes, schildert das Werk ihre Jugend in Teheran während der Islamischen Revolution und die spätere Schulzeit in Wien, wohin die Eltern sie Mitte der 80er Jahre schickten, um sie vor politischer Repression zu schützen. Über eine Million Mal verkaufte sich das Buch allein in Frankreich, wie die taz in ihrem Nachruf festhält.

Macron würdigte Satrapi nach Angaben des ORF als „Symbolfigur für das iranische Volk und für die Frauenrechte“, die ihre iranische Kindheit „in eine universelle Geschichte“ verwandelt habe. Auch der iranische Kulturverein Pouya in Paris bestätigte die Nachricht gegenüber dem Tagesspiegel.

Sie war eine Symbolfigur für das iranische Volk und für die Frauenrechte.
- Emmanuel Macron, französischer Präsident, laut ORF

Vom Comic zum Cannes-Jurypreis

Mit Vincent Paronnaud verfilmte Satrapi „Persepolis“ 2007 als animiertes Schwarz-Weiß-Drama; Catherine Deneuve und Chiara Mastroianni sprachen die Hauptrollen. Der Film gewann beim Filmfestival von Cannes den Jurypreis und brachte Satrapi 2008 eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester Animationsfilm ein. Es folgten „Huhn mit Pflaumen“ (2011) sowie der Marie-Curie-Film „Radioactive“ mit Rosamund Pike (2019).

Stimme für die Frauenrechte im Iran

Nach Beginn der „Frau, Leben, Freiheit“-Bewegung im Iran 2022 gab Satrapi einen Sammelband mit iranischen Künstlerinnen und Künstlern heraus, der den Aufstand gegen das Regime dokumentierte. Im Januar 2025 lehnte sie die Aufnahme in die französische Ehrenlegion ab und kritisierte laut Tagesspiegel die unzureichende Unterstützung iranischer Frauenrechte sowie Frankreichs Visapolitik gegenüber iranischen Künstlern und Dissidenten. Die junge Welt nennt die Geste in ihrem Nachruf einen ihrer politisch deutlichsten Auftritte.

Aus der Comic-Szene meldeten sich am Donnerstag und Freitag zahlreiche Stimmen zu Wort. „Mit ihrem Werk war sie für viele ein Vorbild, besonders für mich“, schrieb der Zeichner Riad Sattouf („Der Araber von morgen“). Sein Kollege Joann Sfar richtete sich direkt an die Verstorbene: „Du hast die Welt mit deinen Comics verändert - und doch waren dir Comics gleichgültig.“

Satrapi war seit Jahren mit dem Übersetzer Mattias Ripa verheiratet, der ihre Werke ins Englische übertragen hatte; er starb 2025. Den letzten Lebensabschnitt verbrachte das Paar in Paris, wo Satrapi an der Académie des Beaux-Arts eine Stiftung für ausländische Filmstudierende gegründet hatte. Diese trägt heute beide Namen.