Marleen Lohse hat am Mittwochabend ihr bislang persönlichstes Fernsehprojekt an eine ungewöhnlich große Zuschauerschaft gebracht. Der ARD-Psychothriller „Frau ohne Namen“ erreichte zur besten Sendezeit 5,36 Millionen Menschen und einen Marktanteil von 26,1 Prozent, wie Quotenmeter berichtet. Damit lief der 90-minütige Film bis 21:45 Uhr vor jedem anderen Primetime-Angebot des Abends, in der jüngeren Zielgruppe reichte es für Platz drei.
Lohse spielt Dr. Marlene Nielsen, eine Hochschulprofessorin und Expertin für Mikroexpressionen, die von der Polizei hinzugezogen wird, als eine namenlose junge Frau offenbar in Notwehr einen Mann getötet hat und nun schweigt. Die Idee zur Figur entwickelte Lohse selbst gemeinsam mit Drehbuchautorin Anne-Marie Keßel und Dramaturgin Lynda Bartnik. Regie führte Lynn Oona Baur, in weiteren Rollen stehen Sara Hjort Ditlevsen, Serkan Kaya und Stephan Kampwirth vor der Kamera.
Konzentrierte Erzählweise statt klassischem Krimi
Die Kritik reagierte überwiegend wohlwollend. Rainer Tittelbach lobte den Film für seine „konzentrierte und reduzierte“ Erzählweise und ordnete ihn als seltene Mischung aus Psychothriller und Drama ein, die sich vom üblichen deutschen Krimi-Fernsehen abhebe. Lohse, dem Publikum vor allem aus der ARD-Reihe „Nord bei Nordwest“ vertraut, spiele hier „eine komplett kontrollierte, kopfgesteuerte Person“, die ihren Gegenspielerinnen nicht entgegenkomme. Der Filmdienst sah den „vielversprechenden Ansatz“ dagegen in konventioneller Genrearbeit auslaufen, würdigte aber die „ungewöhnliche, erzählerisch reizvolle Hauptfigur“.
Ich hoffe, dass sich die Sehgewohnheiten ändern und man es ein bisschen satthat, diesem Jugendwahn hinterherzurennen. Da ist auf jeden Fall noch Luft nach oben.
Dass Lohse an diesem Projekt über Jahre mitgearbeitet hat, hängt auch mit ihrer eigenen Berufsbiografie zusammen. Nach der Geburt ihres Sohnes habe sie „kurz Bedenken“ gehabt, wie es für sie beruflich weitergehe, sagte die 42-Jährige t-online am Mittwoch. Die ARD-Krimireihe „Nord bei Nordwest“, in der sie seit 2014 Jule Christiansen spielt, habe ihr Planbarkeit verschafft: „Ich arbeite für eine Reihe, bei der ich jetzt schon weiß, wie mein nächstes Jahr aussehen wird.“
Für „Frau ohne Namen“ hatte sich Lohse mit zwei Autorinnen eine Figur ausgedacht, die genauer hinschaut, als es den Beteiligten lieb ist. Der Film ruft, so Lohse im selben Interview, „auch ein bisschen dazu auf, genau hinzuschauen“. Ob sich daraus eine fortgesetzte Reihe entwickelt, hat das Erste bislang nicht kommentiert. Die Quote vom Mittwoch dürfte dem Projekt bei der weiteren Planung jedenfalls nicht schaden.