Marokko steht im Viertelfinale der WM 2026. Der Halbfinalist von 2022 gewann am Samstagabend das Achtelfinale gegen Co-Gastgeber Kanada im NRG Stadium in Houston mit 3:0 und beendete damit die erste K.-o.-Teilnahme des Ahornlandes deutlich früher als erhofft. Azzedine Ounahi, Mittelfeldspieler des FC Girona, entschied die Partie mit Treffern in der 50. und 82. Minute, Soufiane Rahimi setzte in der achten Minute der Nachspielzeit vor 68.777 Zuschauern den Schlusspunkt.

Der Verlauf ließ das Ergebnis lange offen. Kanada begann mit hohem Pressing und drängte Marokko in der ersten halben Stunde in die eigene Hälfte, ohne dabei klare Chancen zu produzieren. Nach 22 Minuten musste Trainer Mohamed Ouahbi umbauen: Ismaila Saibari, der Elfmeterheld gegen die Niederlande und Sommer-Neuzugang des FC Bayern, humpelte mit Muskelbeschwerden vom Feld. Zur Pause stand es torlos, Kanadas Aufwand blieb im letzten Drittel folgenlos.

Ounahi entscheidet die Partie

Fünf Minuten nach dem Wiederanpfiff bekam die Partie die erste Wende. Achraf Hakimi trat einen Freistoß aus 16 Metern kurz auf Ounahi, der aus zentraler Position mit rechts oben rechts vollstreckte. In der 82. Minute erhöhte der Girona-Profi nach Vorlage von Brahim Diaz aus 13 Metern in dasselbe Eck. In der achten Minute der Nachspielzeit spielte Diaz erneut in den Strafraum, Rahimi schloss aus halblinker Position frei stehend zum 3:0 ab. Der englische Schiedsrichter Michael Oliver verteilte in einer robusten Partie insgesamt acht Gelbe Karten, den Elfmeterpfiff musste er nicht heben.

Statistisch fiel der Abstand deutlich aus: Marokko kontrollierte laut kicker 55,4 Prozent Ballbesitz bei einer Passquote von rund 82 Prozent, Kanada erspielte sich elf Ecken, aber keinen einzigen Torschuss von Format. „Marokko war schlichtweg zu clever“, fasste Sport.de die zweite Halbzeit zusammen. Yassine Bounou, in Montreal geborener Torhüter Marokkos, blieb ohne ernsthafte Prüfung.

Marschs Warnung, in Zahlen

Wie wir am Morgen berichteten, war Trainer Jesse Marsch mit einer bemerkenswerten Beschreibung ins Spiel gegangen: Marokko sei „ein Team, das buchstäblich keine Schwächen hat“, die Vorbereitung habe sich „wie ein blutiger, grausiger Albtraum“ angefühlt, hatte er gegenüber MLSSoccer.com gesagt. Auf dem Platz zeigte sich, warum. Hakimi drückte über die rechte Seite auf, Brahim Diaz orchestrierte das Umschaltspiel, Ounahi tauchte in beiden Strafraumsituationen frei am Elfmeterpunkt auf. Kanada blieb ohne Antwort - selbst Kapitän und Linksverteidiger Alphonso Davies, der die Vorrunde nach seinem Kreuzbandriss noch als Motor beendet hatte, kam kaum ins Umschaltspiel.

Für Kanada endet damit die Debütreise in die K.-o.-Phase. Rechtsverteidiger Alistair Johnston, der vor dem Spiel gefordert hatte, die Mannschaft solle „das Spiel spielen, nicht den Anlass“, sah in der zweiten Halbzeit den Zugriff verloren gehen. Für Marokko wächst die Ausbeute des Turniers dagegen weiter: In vier Spielen gab es drei Siege und ein Unentschieden gegen Brasilien, keinen einzigen Rückstand und nun das erste Weiterkommen ins Viertelfinale seit Katar 2022. Der Gegner steht am Sonntagabend fest, wenn das letzte Achtelfinale gespielt ist.