Marokko steht im Achtelfinale der Fußball-WM 2026. Im Sechzehntelfinale gegen die Niederlande gewannen die „Atlas-Löwen“ im Estadio BBVA in Monterrey am späten Montagabend Ortszeit nach 1:1 in der regulären Spielzeit und torloser Verlängerung mit 3:2 im Elfmeterschießen. Cody Gakpo hatte die Oranje in der 72. Minute in Führung gebracht, Innenverteidiger Issa Diop traf in der ersten Minute der Nachspielzeit per Kopf zum Ausgleich. Im Elfmeterschießen verfehlten gleich drei Schützen das Tor über das Aluminium, wie die Sportschau in ihrem Spielbericht festhielt.

Marokko hatte das Spiel über weite Strecken bestimmt, ohne über Standards und das Direktspiel der Außen gefährlich zu werden. Verbruggen im niederländischen Tor parierte in der ersten Halbzeit zweimal in höchster Not: zunächst einen Kopfball von Neil El Aynaoui aus kurzer Distanz, dann einen Volleyschuss von Kapitän Achraf Hakimi. Hakimi, der in Monterrey sein 100. Länderspiel absolvierte, traf nach der Pause nach einem Solo über die rechte Seite die Latte. Ein Tor schien sich anzubahnen, ehe Gakpo auf der anderen Seite zuschlug: Crysencio Summerville legte aus dem Fallen technisch sauber ab, Gakpo schob ein.

Drei Minuten nach Wiederbeginn hatte Marokkos Torhüter Yassine Bono einen Vollspann-Schuss von Micky van de Ven mit der Faust gerade noch über die Latte gelenkt. In der Nachspielzeit dann der Ausgleich: Diop stieg nach einer Ecke am höchsten und köpfte ein. In der Verlängerung blieb das Spiel torlos. Das anschließende Elfmeterschießen verlief chaotisch - drei Pfostenschüsse und mehrere verschossene Versuche auf beiden Seiten ließen die Entscheidung lange offen. Marokko verwandelte drei Elfmeter, die Niederlande nur zwei.

Eine Revolution ist nicht nötig. Ich glaube, dass Kontinuität jetzt das Wichtigste ist.
- Mohamed Ouahbi, Trainer Marokkos, gegenüber der Sportschau

Ouahbi statt Regragui - und doch weiter im Turnier

Marokko geht den Weg ins Achtelfinale ohne den Architekten des historischen Halbfinaleinzugs von Katar 2022: Walid Regragui war im März überraschend zurückgetreten. Sein Nachfolger Mohamed Ouahbi hatte vor dem Turnier offen gelassen, ob er das System anpassen würde. Im 4-2-3-1 hat das Team in der Vorrunde gegen Brasilien (1:1), Schottland (1:0) und Haiti (4:2) sieben Punkte geholt und im Sechzehntelfinale gegen eine niederländische Mannschaft bestanden, die nach dem Treffer Gakpos näher am 2:0 als am Ausgleich war. Ouahbi setzt auf Spieler aus den europäischen Top-Ligen: VfB-Stuttgart-Profi Bilal El Khannouss kam von der Bank, Stürmer Ismael Saibari, der nach dem Turnier zum FC Bayern wechselt, blieb diesmal blass.

Im Achtelfinale trifft Marokko am Samstag um 19:00 Uhr MESZ in Houston auf Kanada. Bei den Niederlanden endet das Turnier dagegen abrupt. Eine emotionale Note hatte der Treffer Gakpos: Der PSV-Stürmer hatte zwei Tage zuvor öffentlich gemacht, dass sein ungeborener Sohn Elijah Raphael im Mutterleib verstorben war. Nach seinem Tor in Monterrey weinte er minutenlang auf dem Rasen, wie die Sportschau in ihrem Spielbericht beschrieb.