Am Freitag hat die friesische Hauptstadt Leeuwarden den 150. Geburtstag ihrer berühmtesten Tochter mit einem Abschlussfest begangen. Margaretha Geertruida Zelle, in aller Welt bekannt als Mata Hari, wurde am 7. August 1876 im Haus auf De Kelders geboren - genau dort läuft seit Mai die immersive Lichtinstallation „Echo's van Mata Hari“ des Duos KROFT&Smids, die am Jubiläumstag ihren letzten Besucherandrang erlebte.

Das von Visit Leeuwarden koordinierte Programm „150 Jahre Mata Hari“ hatte am 23. Mai begonnen und die Stadt bis zum Geburtstag mit Ausstellungen, Stadtführungen und thematischen Menüs überzogen. Das Fries Museum zeigt seine große Werkschau „The Lives of Mata Hari“ noch bis zum 9. Dezember; im Besucherzentrum hängen Arbeiten von acht Leeuwarder Künstlerinnen, die sich mit dem Mythos ihrer Vorgängerin auseinandergesetzt haben. Zum Finale am Freitag traten laut Programmankündigung von Visit Leeuwarden Live-Bands, DJs und Drag-Acts vor dem Geburtshaus auf - ein bewusst gegen die Klischees der Femme fatale gebürstetes Fest.

Auch deutsche Medien nutzten das Datum. Der Westdeutsche Rundfunk widmete Mata Hari eine Ausgabe des „Zeitzeichens“, das Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn erinnerte in einem ausführlichen Blogbeitrag an die Frau, deren Fall die Sicherheitsdienste des Ersten Weltkriegs bis heute beschäftigt. Beide Beiträge stützen sich auf den sogenannten Gempp-Bericht, eine Rekonstruktion der deutschen Militärnachrichten im Bundesarchiv-Militärarchiv. Danach wurde Zelle „in Paris verhaftet, vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt und in Vincennes erschossen, ohne wesentliche Ergebnisse erzielt zu haben“.

Vom Kolonialoffizier zur Bühne von Paris

Die Biografie, die das Deutsche Historische Museum in seinem LeMO-Portal skizziert, erzählt eine Aufsteigerinnenkarriere mit tragischem Ausgang. Zelle heiratete 1895 den niederländischen Kolonialoffizier Rudolf MacLeod, lebte mit ihm bis 1902 auf Java und Sumatra und übernahm dort Anleihen aus dem asiatischen Tanz. 1905 debütierte sie in Paris unter dem Künstlernamen Mata Hari - malaiisch für „Auge des Tages“ - und wurde binnen weniger Saisons zur gefragten Bühnengröße. Als der Erste Weltkrieg die Salons leerte, ließ sie sich 1916 zunächst von einem deutschen Verbindungsoffizier für Informationen bezahlen, später auch vom französischen Militärgeheimdienst anwerben.

Am 13. Februar 1917 nahm die französische Spionageabwehr sie in Paris fest, im Juli verurteilte sie ein Militärgericht wegen Landesverrats zum Tode. Am 15. Oktober 1917 wurde die 41-Jährige im Schlossgraben von Vincennes von einem Erschießungskommando exekutiert.

In Paris verhaftet, vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt und in Vincennes erschossen, ohne wesentliche Ergebnisse erzielt zu haben.
- Gempp-Bericht, Bundesarchiv-Militärarchiv

Der Anlass verschiebt in diesem Sommer erkennbar den Blickwinkel. Wo populäre Erzählungen über Jahrzehnte die verruchte Spionin in den Vordergrund gerückt haben, betonen Kuratorinnen wie Historikerinnen zum 150. Geburtstag die geschiedene Frau, die alleinerziehende Mutter und die Bühnenkünstlerin, die von zwei Militärapparaten aufgerieben wurde. Die Ausstellung im Fries Museum trägt diesen Perspektivwechsel schon im Titel: nicht ein Leben, sondern viele. Nach dem Wochenende schließen die Popup-Räume in Leeuwarden - die große Retrospektive im Fries Museum bleibt bis Dezember der zentrale Ort, an dem sich das Bild einer Ikone weiter zurechtrücken lässt.