Kylian Mbappé stand mit gesenktem Kopf im Bauch des Dallas Stadium, als er sich am späten Dienstagabend den Fragen der Journalisten stellte. Zwei Tage später ist der Kapitän der Équipe Tricolore noch immer die Person, die den Ausgang des WM-Halbfinales zwischen Frankreich und Spanien am ehesten einordnen muss. Sein Fazit fällt nüchtern aus. „Diese Niederlage ist eine große Enttäuschung“, sagte Mbappé nach dem 0:2 in Arlington, wie Sport1 berichtet. „Insgesamt haben wir nicht das Level erreicht und nicht das Spiel gespielt, das wir spielen wollten. Und wenn du nicht das lieferst, was du in einem WM-Halbfinale liefern solltest, gewinnst du nicht.“
Frankreich verabschiedet sich damit ein Turnier früher als erhofft. Der Weltmeister von 2018, Finalist von 2022, spielt am Samstag in Miami noch um Platz drei. Es ist das Ende einer Ära: Trainer Didier Deschamps übernimmt seit 14 Jahren die Bank, Zinédine Zidane wird ihn nach dem Turnier ablösen. Für Mbappé bedeutet das eine Nationalmannschaftskarriere ohne Deschamps, die er selbst nach der Niederlage nicht ausleuchten wollte. „Es war unser Wunsch, das Finale zu erreichen und unser Land weiter träumen zu lassen“, sagte er - und ließ offen, was ihn persönlich als Nächstes erwartet.
„Er hat mich bereits mehrfach darauf angesprochen“
Beantworten muss Mbappé diese Frage ohnehin schon länger. Bereits vor dem Turnier hatte er in einer Pressekonferenz der Nationalmannschaft bestätigt, dass David Beckham, Miteigentümer von Inter Miami, ihn wiederholt in Sachen Wechsel in die MLS kontaktiert hat. „Er hat mich bereits mehrfach darauf angesprochen“, sagte Mbappé nach einem Bericht von Goal. Ein sofortiger Wechsel steht demnach nicht auf der Agenda; die amerikanische Liga ist für den 27-Jährigen aber kein Tabuthema mehr. „Ich weiß es nicht. Vielleicht eines Tages“, zitiert ihn das Portal - eine Antwort, die weder Aufbruch signalisiert noch endgültig eine Tür schließt.
Er hat mich bereits mehrfach darauf angesprochen.
Beckhams Interesse fällt in eine sportlich schwierige Phase bei Real Madrid. Der Verein beendete die Saison 2025/26 trotz individueller Rekorde - Mbappé kam auf 41 Tore in 41 Spielen für die Königlichen und gewann als erster Franzose zwei Mal in Folge den Goldenen Schuh - erneut titellos. Das spanische Portal fichajes.net schrieb im Mai, die Vereinsführung schließe einen Abschied Mbappés nicht mehr grundsätzlich aus, sollte sich „die Tür auch nur einen Spalt öffnen“. Als möglicher Interessent wurde vor allem Manchester City genannt, dessen Finanzkraft nach dem Bericht ausreichen würde, um einen frühzeitigen Ausstieg aus dem bis 2029 laufenden Vertrag auszulösen. Bestätigt ist all das nicht - aber die Debatte in Madrid ist geführt.
Ein Sommer ohne Titel, ein Winter mit Fragen
Für Mbappé bleibt am Samstag zunächst das kleine Finale in Miami, danach die Rückkehr in die Vorbereitung von Real Madrid, wo Xabi Alonso in seine zweite Saison als Trainer geht. Der Kapitän der Équipe Tricolore hat in vier großen Turnieren mit Frankreich einen WM-Titel, ein WM-Finale, ein EM-Halbfinale und nun ein weiteres Halbfinale angesammelt. Für die Karriere-Statistik ist das eine Bilanz, mit der die meisten Spieler ihre Laufbahn beenden würden. Für den Anspruch, den Mbappé selbst formuliert - Ballon d'Or, Champions-League-Titel, Weltmeister-Kapitän - bleiben zwei bis drei Turnierzyklen, in denen er liefern muss.
„Auf persönlicher Ebene ist es nicht wichtig, ob ich im Halbfinale oder Finale verliere“, sagte Deschamps nach dem Aus, wie Sport1 zitiert. Für Mbappé stimmt dieser Satz nicht. Der Kapitän muss die kommenden Wochen nutzen, um die Erwartungen an Zidanes Debüt-Kader zu ordnen. Und er wird sich, wenn Beckham beim nächsten Länderspielfenster erneut zum Hörer greift, dieselbe Antwort noch einmal überlegen müssen: Vielleicht eines Tages - aber nicht heute.