Zum ersten Mal überhaupt ist ein Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate zu einem Staatsbesuch in Deutschland eingetroffen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfing Sheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan am Donnerstagvormittag mit militärischen Ehren an der Villa Borsig, am Nachmittag folgte im Kanzleramt das Gespräch mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Verkündet wurde die Ziffer, die Merz seit Wochen in Aussicht gestellt hatte: Die Emirate wollen zusätzlich 40 Milliarden Euro in Deutschland investieren.
Das Paket verdoppelt das bisherige emiratische Engagement in der deutschen Wirtschaft, das die Bundesregierung mit rund 34 Milliarden Euro beziffert. Ein Schwerpunkt liegt auf digitaler Infrastruktur: Rechenzentren mit einer Kapazität von bis zu einem Gigawatt sollen entstehen, dazu Kooperationen bei Künstlicher Intelligenz, Wasserstoff, verflüssigtem Erdgas und erneuerbaren Energien. Deutsche und emiratische Unternehmen unterzeichneten in Berlin 29 Abkommen und Absichtserklärungen mit einem Volumen von rund 9,4 Milliarden Euro. Zusätzlich wollen beide Regierungen einen deutsch-emiratischen Investitionsrat einrichten, der Vorhaben auf beiden Seiten koordinieren und den Austausch zwischen öffentlichem und privatem Sektor bündeln soll.
Der Handel zwischen beiden Ländern hat sich in den vergangenen Jahren stark verschoben. 2025 lag das bilaterale Volumen laut Auswärtigem Amt bei rund 13 Milliarden Euro. Die deutschen Ausfuhren, vor allem Maschinen und Chemieprodukte, sind seit 2020 um rund zwei Drittel gestiegen. Für Merz ist die Zusage eine Zwischenbilanz nach Monaten, in denen der Kanzler mit Blick auf Rechenzentrums-Kapazitäten und KI-Investitionen offen um Golfkapital geworben hatte. Sultan Ahmed al-Dschaber, der emiratische Industrieminister und ADNOC-Chef, nannte Deutschland gegenüber t-online „seit Jahrzehnten einen wichtigen strategischen und wirtschaftlichen Partner“.
Deutschland ist seit Jahrzehnten ein wichtiger strategischer und wirtschaftlicher Partner.
Kritik im Schatten des Sudan-Kriegs
Die Ankündigung fiel zusammen mit deutlicher Kritik von Menschenrechtsorganisationen. Human Rights Watch hatte Steinmeier und Merz bereits am 7. September aufgefordert, die Rolle der Emirate im Sudan-Krieg beim Staatsbesuch öffentlich zu benennen. Die von Deutschland 2023 mitangestoßene UN-Untersuchungsmission zum Sudan hatte in ihrem am 1. September vorgelegten Bericht dokumentiert, dass die Rapid Support Forces (RSF) von den Emiraten unterstützt würden. Den Milizen legten die UN-Ermittler Kriegsverbrechen und Handlungen mit „Merkmalen eines Völkermords“ zur Last. Philipp Frisch, Deutschland-Direktor von Human Rights Watch, warf der Bundesregierung mangelnde Bereitschaft vor, das emiratische Engagement im Sudan öffentlich anzusprechen. Auch die Gesellschaft für bedrohte Völker wandte sich gegen den Ausbau der Beziehungen und verwies auf die emiratische Unterstützung paramilitärischer Kräfte im Sudan-Konflikt.
Für den Abend hatten Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender zum Staatsbankett im Amtssitz am Spreebogen geladen, für Freitag stehen weitere Wirtschaftsgespräche auf dem Programm. Neben Investitionen und Datenzentren war laut Auswärtigem Amt auch die Lage im Nahen Osten Gesprächsgegenstand, insbesondere die humanitäre Situation im Sudan und in Gaza sowie die Sicherheit von Handelsrouten in der Region.