Angela Merkels offizielles Porträt für die Kanzlergalerie wird an diesem Dienstag um 18 Uhr im Berliner Bode-Museum enthüllt. Gemalt hat es der 28-jährige deutsch-französische Künstler Jérémie Queyras, der bislang vor allem mit abstrakten Arbeiten bekannt wurde. Das Werk bleibt zunächst drei Monate auf der Museumsinsel zu sehen, im Herbst wandert es dann in die erste Etage des Kanzleramts - dort hängen bereits die Porträts ihrer sieben Vorgänger.
Das Bild zeigt Merkel in einem blauen Blazer, leicht im Profil, das Gesicht im Seitenlicht eines Fensters. Auf die für sie typische Geste verzichtet Queyras: Die Raute fehlt. Im linken Bildbereich liegen unsortierte Papiere und ein gelber Ordner auf einem Tisch, darauf ein silberner Würfel mit der Inschrift „In der Ruhe liegt die Kraft“ - ein Geschenk zu ihrer Amtseinführung 2005. Die Zeit beschreibt das Werk als „leuchtendes Porträt“, in dem Merkels Blick zwar hell, aber „nicht übermäßig versöhnlich“ wirke.
Der Weg zum Auftrag verlief unkonventionell. Queyras, der aus einer Freiburger Musikerfamilie stammt, schrieb der ehemaligen Kanzlerin einen handschriftlichen Brief. „Obwohl meine Kunst hauptsächlich abstrakt ist, kehre ich des Öfteren zur klassischen Malerei zurück“, erläuterte er seine Bewerbung. Merkel lud ihn daraufhin im April 2025 zu einem Gespräch ein und entschied sich für ihn. Üblich ist, dass scheidende Kanzler ihren Porträtmaler selbst aussuchen.
Es ist komisch, wenn man langsam Geschichte wird. Da häng ich dann eben.
Merkel selbst kommentierte den Vorgang mit gewohnt trockenem Understatement. Ihr Vorgänger Gerhard Schröder hatte sich 2007 von Jörg Immendorff porträtieren lassen, Helmut Kohl 1999 von Albrecht Gehse, Helmut Schmidt 1990 von Bernhard Heisig. Olaf Scholz hat bislang noch keinen Maler beauftragt - eine Lücke, die das Kanzleramt mittelfristig noch lösen muss.
Zur Vernissage werden neben Merkel auch Bundeskanzler Friedrich Merz, Vertreter ihrer früheren Kabinette und Gäste aus dem Kunstbetrieb erwartet. Die anschließende Schau im Bode-Museum, geöffnet bis Anfang Oktober, ist die erste Gelegenheit für ein breites Publikum, das Bild zu sehen, bevor es im Regierungsalltag des Kanzleramts verschwindet.