Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron haben am Freitag am Fliegerhorst Nörvenich im Kreis Düren einen deutsch-französischen Verteidigungs- und Sicherheitsrat abgehalten und dabei den Einstieg der Bundeswehr in die französische nukleare Abschreckung besiegelt. Deutsche Soldaten werden nach übereinstimmenden Berichten von Tagesspiegel, Handelsblatt und t-online im Herbst erstmals an einer Übung der französischen Nuklearstreitkräfte teilnehmen. Ein Lenkungsausschuss soll die weiteren Schritte koordinieren.
Der Ort war kalkuliertes Signal: Vor einer Wartungshalle des Taktischen Luftwaffengeschwaders 31 standen zwei französische Rafale und zwei deutsche Eurofighter, dazu die Außen- und Verteidigungsminister beider Länder. Die Rafale sind für den Einsatz französischer Atomwaffen konfiguriert, die beteiligten Jets hatten bereits am Donnerstag über französischem Luftraum gemeinsam eine rund zweistündige Luftbetankung geprobt. „Das Ziel ist, die Sicherheit des europäischen Kontinents zu verbessern und bei unseren Gegnern mehr Unsicherheit zu schaffen“, sagte Macron laut Handelsblatt. Ob französische Atomwaffen in Deutschland stationiert werden, ließ er offen; Paris hält an der ausschließlich nationalen Finanzierung der eigenen Force de frappe fest.
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FCAS abgehakt, Combat Cloud überlebt
Parallel zogen beide Regierungen einen Schlussstrich unter das gescheiterte Kampfflugzeugprojekt FCAS. Nach jahrelangem Streit zwischen Airbus und Dassault soll der Jet nicht mehr gemeinsam gebaut werden, die vernetzte Waffenplattform „Combat Cloud“ wird jedoch weiterentwickelt. „FCAS war nie allein ein neues Kampfflugzeug, sondern war immer ein System“, sagte Merz und kündigte an, den überlebenden Teil auszubauen. Macron formulierte den strategischen Anspruch grundsätzlicher: „Wenn sich Frankreich und Deutschland nicht einigen, kommt Europa nicht voran.“
Der Nörvenich-Termin markiert außenpolitisch eine Zäsur: Deutschland ist damit nach Polen, den Niederlanden, Belgien, Griechenland, Schweden, Dänemark und zuletzt Norwegen das achte Land, das das französische Angebot einer nuklearen Übungsteilnahme angenommen hat. Für Merz ist die Kooperation Teil einer breiteren Neuausrichtung der Bundeswehr, die von der Tomahawk-Beschaffung in den USA über die neue Ostflanke der NATO bis zur europäischen Abschreckung reicht. Für Macron dürfte es einer der letzten großen bilateralen Termine gewesen sein: Im Frühjahr 2027 stehen in Frankreich Präsidentschaftswahlen an, für die er nicht mehr antreten darf.