Bundeskanzler Friedrich Merz hat am Freitag bei einem Termin der niedersächsischen CDU in Langenhagen bei Hannover vor einem weiteren Verlust von Industriearbeitsplätzen in Deutschland gewarnt. Der Auftritt fiel in die Woche, in der der Aufsichtsrat von Volkswagen den Zukunftsplan 2030 des Vorstands unter Konzernchef Oliver Blume beschlossen hat - mit rund 50.000 zusätzlichen Stellen, die weltweit wegfallen sollen, und vier deutschen Werken, deren Zukunft weiter offen ist.
„Uns gehen im Augenblick in großem Umfang Industriearbeitsplätze verloren“, sagte Merz vor Parteianhängern. Er nannte Volkswagen exemplarisch für die schwierige Lage der Autoindustrie in Deutschland und Europa und legte nach: „Deutschland muss ein Industrieland bleiben!“ Der Konzern habe für Niedersachsen eine besondere Bedeutung - kein Bundesland sei so von einem einzelnen Industriebetrieb geprägt.
Uns gehen im Augenblick in großem Umfang Industriearbeitsplätze verloren.
Zukunftsplan 2030: Vier Werke bleiben unter Vorbehalt
Der VW-Aufsichtsrat hatte den Plan nach Wochen des Ringens einstimmig gebilligt. Auf der Streichliste stehen neben dem globalen Stellenabbau die Reduzierung des Modellangebots und der Rückzug aus Konzernbeteiligungen. Vier deutsche Standorte bleiben unter Vorbehalt: Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm - letzterer gehört zur Konzerntochter Audi. Endgültige Entscheidungen sollen bis Juni 2027 fallen.
Christiane Benner, IG-Metall-Vorsitzende und stellvertretende Aufsichtsratschefin, und Betriebsratschefin Daniela Cavallo hatten den Beschluss zwar mitgetragen, in einer gemeinsamen Erklärung aber Kritik an der Verhandlungsführung des Vorstands geübt: „Das konfrontative Vorgehen und die Kommunikation des Vorstands in den vergangenen Wochen waren nicht zielführend.“ Cavallo bezeichnete den Plan als „Notwendigkeit, unser Unternehmen erfolgreich in das nächste Jahrzehnt zu führen“.
Aus der niedersächsischen CDU kam ergänzende Kritik: Landeschef Sebastian Lechner warf der Landesregierung vor, zu spät Perspektiven für die Werke entwickelt zu haben. Merz begrüßte den Aufsichtsratsbeschluss, nannte ihn aber lediglich einen ersten Schritt. Das eigentliche Ringen um die Standorte beginne jetzt.