Vor dem WM-Endspiel am Sonntag zwischen Argentinien und Spanien im MetLife Stadium in East Rutherford ist das Rennen um die Torjägerkanone genauso offen wie das Finale selbst - und ebenso taktisch aufgeladen. Lionel Messi und Kylian Mbappé stehen bei jeweils acht Turniertreffern an der Spitze der Torschützenliste, den Adidas Golden Boot bekommt am Sonntagabend aber trotzdem nur einer. Nach dem FIFA-Regelwerk entscheiden bei Gleichstand nicht die letzten Sekunden auf dem Rasen, sondern eine kaskadierte Statistik: zuerst die Vorlagen, danach die geringere Einsatzzeit.

Aktuell liegt Messi vorn. Der 39-jährige Argentinier steht nach dem 2:1 im Halbfinale gegen England bei vier Assists, Mbappé kommt auf drei. Die beiden Vorlagen gegen die Three Lions in Atlanta - erst zum Ausgleich, dann zum entscheidenden Treffer von Lautaro Martínez - waren mehr als nur ein Zwischenschritt: Sie waren der Moment, in dem Messi die Wertung von Mbappé zurückeroberte. „Messi hat mit den beiden Vorlagen gegen England das Rennen um den Goldenen Schuh zu seinen Gunsten gedreht“, schrieb der ORF nach dem Halbfinale, „nach FIFA-Regularien entscheidet bei Torgleichheit zunächst die Zahl der Vorlagen“.

Für Mbappé ist die Situation die schlechteste unter allen denkbaren: Frankreich spielt am Samstagabend Ortszeit im Hard Rock Stadium in Miami nur noch um Platz drei gegen England, während Argentinien 24 Stunden später um den Titel spielt. Der Franzose hat also lediglich ein Spiel mehr zur Verfügung, in dem er entweder selbst treffen oder auflegen müsste, um Messi wieder einzuholen - und das gegen eine Defensive, gegen die er in der Gruppenphase bereits zweimal getroffen hatte. Doch auch dann kommt der Argentinier im Endspiel möglicherweise erneut auf die Torschussliste.

Bei Torgleichheit entscheidet die Anzahl der Assists über die Platzierung in der Wertung des Fußballweltverbands.
- sport.ORF.at, 16. Juli 2026

Die Spielzeit als letzter Tiebreaker

Sollten beide Spieler das Turnier tatsächlich mit identischer Anzahl an Toren und Vorlagen beenden, greift die dritte Regel: die geringere Einsatzzeit. Hier liegen die beiden aktuell dicht beieinander. Messi steht laut kicker-Statistik nach sechs Partien bei rund 620 Turnierminuten, Mbappé nach sieben Spielen bei etwa 610. Sollte Scaloni den Kapitän im Finale wie schon in mehreren K.o.-Spielen früh vom Feld nehmen, könnte Messi diesen Vorsprung noch ausbauen. Ob Argentiniens Trainer diese Rechnung im Kopf mitspielt, während seine Mannschaft um den Titel kämpft, ist eine andere Frage.

Für die Turniergeschichte ist die Auszeichnung mehr als eine Fußnote. Mbappé steht bei 19 WM-Toren insgesamt und würde mit einem weiteren Treffer im Spiel um Platz drei zu Messis Karriere-Bestwert von 20 aufschließen. Der Argentinier wiederum kann in seinem angekündigten letzten WM-Spiel den Rekord auf 21 schrauben - eine Marke, die dann nur noch Miroslav Klose mit 16 Turniertoren in einem historischen Vergleich einordnet. Für Deutschland überträgt das ZDF das Endspiel am Sonntag ab 21 Uhr MESZ live, das Spiel um Platz drei zeigt MagentaTV exklusiv am Samstagabend.