Wenige Stunden vor dem Anpfiff im MetLife Stadium in East Rutherford ist ein Foto aus dem Herbst 2007 der emotionale Aufhänger dieses WM-Finales. Es zeigt einen 20 Jahre alten Lionel Messi, der einen wenige Monate alten Lamine Yamal in einer blauen Plastikwanne wäscht. Aufgenommen hat es der katalanische Fotograf Joan Monfort für einen Charity-Kalender, den die Zeitung Diario Sport gemeinsam mit Unicef herausgab. 19 Jahre später treten die beiden Barça-Spieler an diesem Sonntagabend um 21 Uhr MESZ zum ersten Mal auf demselben Rasen gegeneinander an.
Yamals Familie kam über eine Verlosung in ihr Viertel Rocafonda in Mataró an das Shooting. Wer teilnehmen wollte, wurde ausgelost, das Bild entstand im Camp Nou. Monfort erinnerte sich in einem Rückblick, den unter anderem WEB.de und Sportschau in dieser Woche zitierten, an eine schwierige Session, „vor allem, weil Messi nicht sicher war, wie er mit dem kleinen Lamine umgehen sollte, der während der Dreharbeiten in einer Plastikwanne lag“. Dass es sich bei dem Baby um den späteren Barça-Kollegen handelte, erfuhr Monfort erst über eine Nachricht eines Freundes, nachdem Yamals Vater Mounir Nasraoui das Foto im Sommer 2024 auf Instagram gepostet und mit „Der Beginn zweier Legenden“ betitelt hatte.
Das ist besser als jedes Drehbuch.
Messi selbst hat das Motiv am Vortag des Endspiels gegenüber beIN Sports eingeordnet. „Dieses Bild ist verrückt. Ich habe es mit ihm aufgenommen, als er ein Baby war, und jetzt werden wir uns in einem WM-Finale gegenüberstehen“, sagte der 39-Jährige. Er nannte Yamal einen „fantastischen Spieler“ und ergänzte: „Mit 19 Jahren ist er bereits einer der besten Spieler der Welt.“ Weil beide bei einem Klub spielen, den er liebe, wünsche er ihm privat alles Gute - werde in East Rutherford aber alles dafür tun, dass Yamal an diesem Abend nicht seine beste Version zeigen könne.
Yamal selbst hatte die Rollenverteilung im Juni gegenüber der spanischen Regionalzeitung Diario de Navarra bereits klargezogen. „Ich denke, dass er in jedem Spiel zeigt, dass er der beste Spieler der Geschichte ist“, sagte der 19-Jährige über Messi. „Wenn jemand daran zweifelt, sucht er nach Zweifeln. Für mich ist er der Beste.“ Der SRF beschrieb den Abend am Sonntag als „Wink des Schicksals“ - erst am Mittwoch hatte sich Argentinien mit einem späten 2:1 gegen England das Endspiel gesichert, sechs Tage nachdem Spanien Frankreich in Dallas 2:0 aus dem Turnier geworfen hatte.
Vom Kalenderfoto zum Turnier-Motiv
Die Kalenderaktion 2007 war Teil einer jährlichen Reihe, in der Barça-Profis mit Kindern aus der Region posierten; die Erlöse gingen an Unicef. Für Monfort, seit 1991 freischaffend und heute auch für die Nachrichtenagentur AP im Einsatz, war es damals ein Termin unter vielen. Erst als Yamal 2023 als 15-Jähriger in der Profimannschaft des FC Barcelona debütierte und ein Jahr später bei der EM in Deutschland Europameister wurde, fügten sich die Puzzleteile zusammen. Die Fotos gingen im Sommer 2024 viral - und rutschen nun mit dem WM-Finale endgültig in die Sportgeschichte. Auch die Forbes-Ausgabe von Unicef USA rekapitulierte die Aktion in dieser Woche noch einmal ausführlich.