Mark Zuckerberg hat auf der Meta Connect 2026 in Menlo Park den strategischen Schwenk seines Konzerns vom Metaverse zur „persönlichen Superintelligenz“ auf die Bühne gebracht - und Deutschland gleich in die erste Welle des internationalen Verkaufsstarts genommen. Die smarte Datenbrille Ray-Ban Display, bislang nur in den USA erhältlich, kann seit der Nacht zum Donnerstag auch hierzulande vorbestellt werden. Ab dem 13. Oktober liegt sie für 899 Euro inklusive der gestengesteuerten Neural-Band-Armbinde bei Meta-Onlineshop und Media Markt in den Regalen. Erste stationäre Standorte werden Frankfurt, Hamburg und München sein, wie das Unternehmen auf about.fb.com bestätigte.

„Die Bereitstellung persönlicher Superintelligenz ist jetzt in greifbare Nähe gerückt“, zitiert Investing.com aus Zuckerbergs Auftaktrede. Kernstück der neuen Meta-Erzählung ist der KI-Agent Muse, der laut Konzern binnen weniger Wochen Millionen Nutzer erreicht haben soll. Er soll künftig in Brillen, im Anhänger „Muse Charm“ und in einer Mac-App laufen, E-Mails schreiben, Termine buchen und über Kreditkartendaten hinweg einkaufen. Wie zuverlässig der Agent das jenseits der Bühne tatsächlich schafft, blieb an dem Abend offen: In den Live-Demos wurden Bestellungen bei Partnern wie Walmart, Sephora und Expedia zwar gezeigt, aber nicht unter Alltagsbedingungen.

Die Bereitstellung persönlicher Superintelligenz ist jetzt in greifbare Nähe gerückt.
- Mark Zuckerberg, Meta Connect 2026

Vier Brillen, ein Puck und ein Anhänger

Neben der Display-Version zeigte Meta eine dritte Generation der Ray-Ban Meta ab 449 Dollar, eine kameralose Audio-Variante für 349 Dollar sowie die eigentliche Neuvorstellung des Abends: die Meta VR Glasses. Die Brille wiegt rund 100 Gramm, fünf Mal weniger als das aktuelle Quest-3-Headset, und wird durch einen an einem Kabel angeschlossenen Rechen-„Puck“ mit Qualcomm-Chip versorgt. Preis in den USA: 1.299,99 Dollar, Marktstart im Frühjahr 2027. Zu einer Europapreisliste äußerte sich Meta noch nicht. Für die deutsche Ray-Ban Display kündigte Meta zusätzliche Funktionen an - Hologramm-Avatare für Videoanrufe, Navigation an Landmarken wie „links bei der Apotheke“ und Dolby-Atmos-Aufnahmen -, betonte aber, dass nicht alle Funktionen zum Start verfügbar sein werden.

Am Ende der Keynote präsentierte Zuckerberg einen kleinen Anhänger namens Muse Charm, laut Engadget „mit Echtzeit-Sprach- und Avatar-Stack“ ausgestattet. Das Gerät soll den KI-Assistenten für Nutzer verfügbar machen, die keine Brille tragen wollen. Ergänzt wird das Portfolio um eine von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassene Hörhilfe-Funktion für 149 Dollar sowie Kooperationen mit Kylie Jenner und Lisa von Blackpink für Sondereditionen der neuen Ray-Ban. Bis Jahresende will Meta über 100 Brillenmodelle im Angebot haben.

Ein teurer Umbau, den Wall Street kritisch beäugt

Die Marktreaktion fiel verhalten aus. Während die Meta-Aktie im Handelsverlauf laut Investing.com kurzzeitig um 4,3 Prozent zulegte, überwog in den Analystenkommentaren die Skepsis. Der Facebook-Konzern hatte zuletzt seine Prognose zum freien Cashflow gesenkt und Zweifel an der Wirtschaftlichkeit seiner Milliardeninvestitionen in KI-Rechenzentren geweckt. Zuckerbergs Antwort ist eine Wette darauf, dass Brillen das Smartphone als primären Zugang zur digitalen Welt ablösen - und dass Muse als Konsumentenprodukt vor OpenAI und Google in der Alltagsroutine landet. Für den deutschen Markt ist zunächst offen, wie die Datenschutzbehörden auf eine ständig kamera- und mikrofonbewehrte Alltagsbrille reagieren. Meta AI selbst hatte in Deutschland zuletzt nur mit Verzögerung und in eingeschränkter Funktion gestartet, weil das Unternehmen die Anforderungen des EU-KI-Gesetzes erst umsetzen musste.