Meta hat am Mittwoch einer Zahlung von bis zu 17 Milliarden US-Dollar zugestimmt, um einen Sammelprozess vor dem Bundesgericht im kalifornischen Oakland zu beenden. Der Vergleich mit 47 US-Bundesstaaten und mehreren Territorien beendet das Verfahren um den Vorwurf, Facebook und Instagram seien gezielt so entworfen worden, dass sie Kinder und Jugendliche süchtig machen. Die Verhandlung vor Richterin Yvonne Gonzalez Rogers hatte am 18. August begonnen; nach einer Woche zog Meta die Reißleine, bevor Konzernchef Mark Zuckerberg in den Zeugenstand treten musste.
Die Summe soll über zehn Jahre fließen. Auf Kalifornien entfallen laut der Mitteilung von Justizminister Rob Bonta zwischen 1,5 und 2,1 Milliarden Dollar, Virginia meldet einen Anteil von 353 Millionen Dollar. Die ursprüngliche Klage aus dem Jahr 2023, angeführt von Kalifornien, Colorado, Kentucky und New Jersey, hatte Schadenersatz in Höhe von rund 200 Milliarden Dollar gefordert. Meta bestreitet jede Schuld, wie das Unternehmen erklärte, sei der Vergleich „ausschließlich zu Vergleichszwecken“ geschlossen worden.
Meta hat zugestimmt, massive Veränderungen vorzunehmen, die das Risiko von Schäden durch seine Plattformen verringern werden - und das innerhalb weniger Monate.
Zeitlimits, Nachtsperren, keine Push-Benachrichtigungen
Das Regelwerk, das Meta im Rahmen des Vergleichs umsetzen muss, greift tief in die Produktlogik von Instagram und Facebook ein. Für Nutzer unter 18 Jahren gilt künftig eine tägliche Standardobergrenze von zwei Stunden, die nur ein Elternteil aufheben darf. Zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens werden die Apps für Minderjährige gesperrt, Push-Benachrichtigungen sind während der Schulzeit von acht bis 15 Uhr und in den Nachtstunden untersagt. Die Zahl der Likes und Reaktionen soll in Teenager-Konten nicht mehr angezeigt werden, kosmetische Beauty-Filter sind verboten. Ein unabhängiger Prüfer erhält vollständigen Zugriff auf die Umsetzung.
Bonta bezeichnete die Einigung in einer Pressemitteilung als „transformativ“. Sein Amtskollege aus Virginia, Jay Jones, sprach von einem „monumentalen Sieg für den Schutz der amerikanischen Kinder“. Instagram-Chef Adam Mosseri hatte im Prozess laut Euronews eingeräumt, dass Sicherheitsfunktionen intern eingeführt wurden, obwohl „die meisten Teenager sie nicht wollten“.
Hintergrund: Von den Facebook Files bis zum Rekordvergleich
Auslöser der US-weiten Klagewelle war die Enthüllung der sogenannten Facebook Files durch die frühere Meta-Mitarbeiterin Frances Haugen im Herbst 2021. Interne Studien des Konzerns hatten belegt, dass Instagram das Körperbild und die psychische Gesundheit jugendlicher Nutzerinnen negativ beeinflusst, das Unternehmen die Erkenntnisse jedoch zurückhielt. 29 Bundesstaaten reichten daraufhin 2023 gemeinsam Klage ein, weitere Verfahren einzelner Staaten kamen hinzu. Die Süddeutsche Zeitung und die Wirtschaftswoche werteten den Vergleich als eine der weitreichendsten Regulierungsentscheidungen zu einem US-Digitalkonzern der vergangenen Jahre.
Ein separates Verfahren in New Mexico hatte Meta zuvor zu Zahlungen von mehr als 500 Millionen Dollar und einer monatlichen Nutzungsobergrenze von 90 Stunden für Minderjährige verpflichtet; gegen dieses Urteil will der Konzern in Berufung gehen. Auf dem Aktienmarkt reagierten die Meta-Papiere am Mittwoch zunächst mit einem Plus im vorbörslichen Handel, gaben die Gewinne nach Handelsstart jedoch wieder ab. Die 17 Milliarden Dollar entsprechen weniger als einem Zehntel des Konzernumsatzes von 201 Milliarden Dollar im Jahr 2025.
In Europa greifen mit dem Digital Services Act bereits schärfere Auflagen für sehr große Online-Plattformen; ähnliche Vorgaben zu App-Zeitlimits oder Nachtsperren für Minderjährige gibt es auf EU-Ebene bisher nicht. Der US-Vergleich dürfte die Debatte über verpflichtenden Jugendschutz in sozialen Netzwerken auch in Brüssel und Berlin neu befeuern.