Am Sonntagabend um 18 Uhr Ortszeit, in Deutschland in der Nacht zum Montag um 2 Uhr MESZ, trifft England im WM-Achtelfinale auf Co-Gastgeber Mexiko - erstmals seit dem Viertelfinale 1986 kehrt eine englische Auswahl ins Aztekenstadion zurück. Rund 80.000 Zuschauer werden erwartet, das Spielfeld liegt auf 2200 Metern Höhe, und Bundestrainer Thomas Tuchel weiß, dass die Rahmenbedingungen gegen ihn arbeiten.
Mexikos Bilanz liest sich einschüchternd. Die Elf von Javier Aguirre gewann in Gruppe A 2:0 gegen Südafrika, 1:0 gegen Südkorea und 3:0 gegen Tschechien und kassierte in der Vorrunde kein Gegentor; im Sechzehntelfinale schaltete sie Ecuador mit 2:0 aus, wobei Julián Quiñones und Raúl Jiménez trafen. Quiñones, der bei Al Qadsiah FC gerade Torschützenkönig der saudischen Pro League geworden ist, ist damit erst der fünfte Mexikaner mit drei Toren bei einer Weltmeisterschaft. Der Guardian schrieb nach dem Ecuador-Auftritt: „wehe dem, der als Nächstes auf sie trifft“ - inzwischen richtet sich diese Warnung an Tuchels Team.
Englands Weg ins Achtelfinale war ungleich zäher. Gegen die Demokratische Republik Kongo lag Tuchels Elf am Mittwoch in Atlanta bis in die 75. Minute mit 0:1 zurück, ehe Harry Kane per Doppelpack (75., 86.) das 2:1 schoss. Für den Bayern-Kapitän waren es die WM-Tore Nummer zwölf und dreizehn - er ist damit gleichauf mit dem Franzosen Just Fontaine auf Rang sechs der ewigen WM-Torschützenliste, wie Fox Sports vorrechnete. Gegen Mexiko wird Kane in einem Umfeld antreten, in dem er noch nie gespielt hat: dünne Luft, feindliche Kulisse, wenig Zeit zur Akklimatisierung.
An die Höhe können wir uns nicht anpassen. Das ist ein gewaltiger Vorteil Mexikos.
Der Geist von 1986
Vor genau 40 Jahren stand England zuletzt auf dem Rasen des Aztekenstadions - jenes Viertelfinale gegen Argentinien, in dem Diego Maradona binnen vier Minuten zunächst mit der Faust und dann per Slalomlauf traf. Der damalige England-Trainer Bobby Robson nannte den ersten Treffer „die Hand eines Halunken“, Maradona selbst bekannte später: „Es war ein bisschen Maradonas Kopf und ein bisschen die Hand Gottes.“ Diesmal steht nicht Argentinien im Weg, sondern der Gastgeber - aber die Symbolik der Rückkehr ist in der englischen Boulevardpresse das dominierende Motiv der Vorberichte, wie die Sportschau festhält.
Was Tuchel plant
Die englische Delegation reiste bereits Tage vor Anpfiff nach Mexiko-Stadt und absolvierte gezielt Höhentraining, dazu Einheiten in Hitze und feuchter Luft. Tuchel wandte sich zudem an die Fans daheim: „Schreibt eine Entschuldigung für die Schule und lasst sie Fußball schauen“, zitierte ihn die Sportschau mit Blick auf den späten Anpfiff für die Insel. Die Buchmacher sehen England trotz aller Widrigkeiten leicht vorn - die Wettquoten liegen bei etwa 45:55 zugunsten der Three Lions, wie fussballnationalmannschaft.net berichtet. Aguirre kann in seiner Innenverteidigung um Torhüter Guillermo Ochoa auf eine Serie von zehn ungeschlagenen WM-Spielen im Aztekenstadion verweisen - eine Statistik, die Kane und Jude Bellingham am Sonntag als Erste kippen müssten, um England ins Viertelfinale gegen den Sieger aus Portugal/Kroatien - Spanien/Österreich zu bringen.