Einen Tag vor dem Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft hat die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum per Dekret angeordnet, dass am Donnerstag in Mexiko-Stadt alle Schulen und Universitäten geschlossen bleiben. Bundesbedienstete sollen, wo immer möglich, von zu Hause arbeiten. Private Unternehmen werden aufgefordert, es ihnen gleichzutun. Ärzte, Polizisten, Katastrophenschützer und Beschäftigte der kritischen Infrastruktur sind ausgenommen.

Die Verordnung soll, wie der österreichische Rundfunk ORF berichtet, „das Verkehrsaufkommen reduzieren, um Staus und eine Überlastung der öffentlichen Verkehrsmittel zu vermeiden“. Das Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika beginnt am Donnerstag um 13 Uhr Ortszeit (21 Uhr MESZ) im Aztekenstadion, die Eröffnungsfeier mit Shakira und Burna Boy startet rund 90 Minuten zuvor.

Doch das eigentliche Problem liegt nicht im Berufsverkehr. Auf dem Zócalo, dem Hauptplatz der Hauptstadt, hatte die FIFA eine Fanzone errichtet. Seit Anfang der Woche steht sie weitgehend leer. Stattdessen campieren Tausende Lehrerinnen und Lehrer der linken Gewerkschaft CNTE zwischen den Zelten und blockieren immer wieder zentrale Verkehrsachsen wie den Paseo de la Reforma.

Die CNTE fordert höhere Löhne und vor allem die Aufhebung einer Rentenreform aus dem Jahr 2007. Tausende sind aus dem ganzen Land angereist. „Diese Reform verletzt unser Recht als Arbeiter auf eine würdige Rente“, zitiert der Tagesspiegel eine Lehrerin aus dem Camp. Am Montag eskalierte ein Marsch in Mexiko-Stadt, Demonstranten berichten von Tränengas und Gummigeschossen der Polizei. Vergangene Woche stürzten Aktivisten Statuen von Fußballspielern in den Straßen der Hauptstadt um.

Ohne Lösung rollt euer Ball nicht.
- Slogan der Lehrergewerkschaft CNTE, Mexiko-Stadt

Die Regierung versucht, den Konflikt zu deeskalieren, ohne das Camp räumen zu lassen. Sheinbaum versprach, eine friedliche Lösung anzustreben, und sagte: „Wir werden garantieren, dass die WM-Eröffnung ruhig“ und friedlich verlaufe. Verhandlungen über die Rente stecken seit Wochen im Patt. Parallel kündigen Lkw-Fahrer und Bauern Blockaden von Verkehrsachsen an, Angehörige der mehr als 130.000 in Mexiko Vermissten wollen die Aufmerksamkeit des Eröffnungstages für ihr Anliegen nutzen.

Tropensturm Boris im Anflug

Zur politischen Lage kommt das Wetter. Seit Tagen sorgen wolkenbruchartige Regenfälle für Probleme in der Millionenmetropole, Straßen standen unter Wasser, Metro-Linien wurden zeitweise gesperrt. Das städtische Sekretariat für Katastrophenschutz rief mehrfach die Alarmstufe Orange aus. Für den Eröffnungstag sind nach Daten des mexikanischen Wetterdienstes SMN Gewitter, Starkregen und Sturmböen vorhergesagt, bei Höchstwerten um 24 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von rund 70 Prozent. Ausläufer des Tropensturms Boris vor der Pazifikküste könnten die Lage zusätzlich verschärfen.

Die FIFA und die mexikanische Regierung halten am Zeitplan fest. Eine Absage des Eröffnungsspiels ist nicht im Gespräch, eine Verschiebung der Zeremonie bislang nicht vorgesehen. Wie ruhig der Donnerstag im Aztekenstadion tatsächlich verläuft, hängt am Ende weniger an Shakiras Show als daran, ob CNTE-Funktionäre, Sheinbaums Verhandler und der Tropensturm vor der Küste sich an die offizielle Choreographie halten.