Mexiko hat das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 mit 2:0 gegen Südafrika gewonnen und damit eine Auftakt-Bilanz korrigiert, an der die Mannschaft seit 1930 gescheitert war: In sieben WM-Eröffnungsspielen zuvor hatte „El Tri“ nie gesiegt. Im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt trafen vor rund 80.000 Zuschauern Julián Quiñones in der 9. Minute und Raúl Jiménez in der 67. Minute. Drei Platzverweise prägten die Partie; das letzte Mal hatte ein WM-Spiel vor 20 Jahren so viele Rote Karten gesehen, in einem Eröffnungsspiel ist es laut Statistik überhaupt das erste Mal.
Die Führung fiel nach einem Defensivpatzer der Südafrikaner. Quiñones, der in der Saudi Pro League beim Al-Qadisiya FC unter Vertrag steht, zog aus 15 Metern ab und markierte das erste Tor des Turniers. Der kicker spricht in seinem Spielbericht von einem „haarsträubenden Defensivfehler von Yaya Sithole“, der den Stürmer zum Schuss kommen ließ. Bis zur Pause kontrollierte Mexiko Ballbesitz und Räume, ohne ein zweites Tor nachzulegen.
Sitholes Notbremse kippt die Partie
In der 49. Minute entschied der portugiesische Schiedsrichter João Pinheiro auf Rot gegen Sphephelo „Yaya“ Sithole. Der Innenverteidiger hatte einen mexikanischen Angreifer auf dem Weg zum Tor regelwidrig gestoppt - eine klassische Notbremse, wie auch ZDFheute und Tagesanzeiger im Liveticker festhielten. In Unterzahl verlor Bafana Bafana die Linie, blieb in den Zweikämpfen aber bissig. Raúl Jiménez, der schon 2018 für Mexiko bei der WM in Russland traf, erhöhte nach einer Flanke von Roberto Alvarado per Kopf auf 2:0. In der 82. Minute folgte die zweite Rote Karte für Südafrika - Themba Zwane sah nach einem VAR-Check Glatt-Rot. Erst in der Nachspielzeit musste auch Mexikos Innenverteidiger César Montes vom Platz, das Spiel endete im Zehn-gegen-Neun.
Trainer Javier Aguirre, der die Mexikaner zum dritten Mal bei einer WM betreut, hatte vor der Partie gesagt, es gebe „nichts Schöneres, als in seiner Heimat zu spielen“. Viele Anhänger hätten die letzte WM in Mexiko 1986 gar nicht erlebt. Aguirres Gegenüber Hugo Broos, mit Belgien 1986 als Spieler ebenfalls im Aztekenstadion auf dem Rasen, muss seine Mannschaft nun für die Spiele gegen die Tschechische Republik und Südkorea sortieren - ohne die rotgesperrten Sithole und Zwane.
Es gibt nichts Schöneres, als in seiner Heimat zu spielen. Viele Menschen waren noch nicht geboren, als wir zum letzten Mal eine WM hier hatten.
Mora knackt mit 17 einen 96 Jahre alten Rekord
Eine Randnotiz mit Symbolwert: Mexikos Mittelfeldspieler Gilberto Mora wurde im Verlauf der Partie eingewechselt. Mit 17 Jahren und 240 Tagen ist er der jüngste Spieler des Turniers - und nach Angaben von ESPN der jüngste Akteur einer mexikanischen WM-Mannschaft seit 1930. Mora steht beim Erstligisten Club Tijuana unter Vertrag, der nach Berichten von beIN Sports am 9. Juni eine Vertragsverlängerung mit einer Ausstiegsklausel über rund 20 Millionen Euro verkündete. Eine FIFA-Premiere kam zudem aus dem Stadion-Reglement: Die Schiedsrichter ordneten alle 22 Minuten Trinkpausen an - die ersten regulären cooling breaks im Eröffnungsspiel einer WM.
Politisch begleitet wurde der Tag von Protesten in Mexiko-Stadt. Die Lehrergewerkschaft CNTE blockierte den Zugang zum offiziellen Fanfest am Zócalo, Demonstrierende erinnerten an die mehr als 100.000 verschwundenen Menschen im Land. Im Stadion selbst dominierte aber Fußball: Mexiko führt die Gruppe A nach dem ersten Spieltag mit drei Punkten an, vor dem zweiten Match an diesem Donnerstag zwischen Südkorea und der Tschechischen Republik in Houston.