Eva Maria Michelmann ist frei. Die seit dem 18. Januar 2026 in Syrien inhaftierte Journalistin und Sozialarbeiterin aus Köln kehrte am späten Freitagnachmittag aus Jordanien nach Deutschland zurück, wie ihr Bruder Antonius Michelmann der Deutschen Presse-Agentur unter Bezugnahme auf einen Bericht des Spiegels bestätigte. „Wir haben sie abgeholt“, sagte er. Es gehe ihr „den Umständen entsprechend gut“. Mehr als drei Monate habe Michelmann in Isolationshaft verbracht, ohne Kontakt zu Familie, Anwalt oder Botschaft.
Festgenommen worden war Michelmann während einer Militäroperation in der nordsyrischen Stadt ar-Raqqa. Syrische Sicherheitskräfte durchsuchten dort nach Angaben der Behörden ein Gebäude, in dem sich Kämpfer einer den Syrisch Demokratischen Kräften (SDF) zugerechneten Gruppe verbarrikadiert hatten. Das syrische Informationsministerium teilte später laut Spiegel mit, Michelmann habe sich zunächst als spanische Staatsangehörige und Mitarbeiterin einer UN-Partnerorganisation ausgegeben; Dokumente für einen Presseauftrag habe sie nicht vorlegen können. Ihr Anwalt Roland Meister hatte dem widersprochen und erklärt, seine Mandantin habe eine Akkreditierung der kurdischen Verwaltung Nord- und Ostsyriens besessen. Michelmann berichtete seit 2022 aus Rojava und arbeitete unter anderem für linkskurdische Medien.
Die deutsche Botschaft in Damaskus betreute Michelmann konsularisch und setzte sich gemeinsam mit der Botschaft in Beirut bei der syrischen Regierung für ihre Freilassung ein. Das Auswärtige Amt in Berlin sei „hochrangig“ in die Gespräche eingebunden gewesen und habe „mit Hochdruck“ an einer Lösung gearbeitet, hieß es aus dem Ministerium. Ein erster diplomatischer Besuch in einem Gefängnis in Damaskus war im April gelungen, nachdem sich zuvor Hinweise verdichtet hatten, dass Michelmann mit dem türkisch-kurdischen Journalisten Ahmet Polat in einem Gefängnis in Aleppo festgehalten wurde.
Es geht ihr den Umständen entsprechend gut. Sie war über einen längeren Zeitraum in Isolationshaft.
Vorwürfe von Folter, kein Wort zu Polat
Anwalt Meister hatte Ende Mai berichtet, Michelmann sei „deutlich abgemagert“ und in „schlechtem“ gesundheitlichen Zustand. Aus dem Umfeld der SDF und von freigelassenen Mithäftlingen waren Vorwürfe körperlicher und psychischer Folter sowie Dauerverhöre öffentlich geworden, wie die Tageszeitung Junge Welt mit Berufung auf Quellen in Nordsyrien berichtete. Die syrische Regierung hat sich dazu nicht öffentlich geäußert. Über Polat, der zusammen mit Michelmann verschleppt wurde, ist weiterhin nichts Konkretes bekannt; der Bruder der Journalistin sagte gegenüber dem Spiegel, sie habe bislang keine Information über das Schicksal ihres Kollegen erhalten.
Politisches Echo in Berlin
Der Fall hatte in den vergangenen Wochen den deutsch-syrischen Beziehungen zugesetzt. Die Bundesregierung unterhält in Damaskus seit dem Sturz von Baschar al-Assad im Dezember 2024 eine Botschaft, hatte aber zugleich mehrfach öffentlich die mangelnde Kooperation der Übergangsregierung in Konsularfragen kritisiert. Aus dem Auswärtigen Amt war zu hören, dass Michelmanns Freilassung Ergebnis monatelanger stiller Diplomatie sei und nicht im Zusammenhang mit der jüngsten US-iranischen Verständigung auf dem Bürgenstock stehe. Eine eigene Stellungnahme Michelmanns liegt noch nicht vor; ihr Anwalt kündigte an, sich erst nach einer ärztlichen Untersuchung öffentlich zu äußern.