Microsoft ändert seinen Servicevertrag für Privatnutzer zum 30. September. Der neue Vertragstext, den der Konzern Ende Juli veröffentlicht hat, greift automatisch: Wer nach dem Stichtag Windows startet, eine Office-App öffnet oder sich beim Microsoft-Store anmeldet, stimmt den geänderten Bedingungen zu, ohne aktiv klicken zu müssen. Betroffen sind sämtliche Verbraucherprodukte des Konzerns, von Windows und Microsoft 365 über Bing bis zum KI-Assistenten Copilot und dem Bonusprogramm Rewards.
Am sichtbarsten verschwinden aus dem neuen Text zwei Namen: Cortana und Groove. Die einst als Microsofts Antwort auf Alexa und Siri gestartete Sprachassistentin wird laut Vertrag seit 2024 nicht mehr unterstützt, die zugehörigen Passagen fallen ersatzlos weg. Auch das Musik-Streaming Groove, das schon länger nicht mehr angeboten wird, taucht nicht mehr auf. Beide Streichungen holen die Bedingungen bei einer Realität ein, die Nutzerinnen und Nutzer seit Jahren kennen.
Konkretere Folgen hat die Neuregelung im Microsoft Store. Wie das Fachportal Winfuture berichtet, dürfen automatische App-Updates künftig nur noch pausiert, nicht mehr dauerhaft ausgeschaltet werden. Wer Updates hinauszögert, muss laut Text mit Funktionsverlust oder ausbleibendem Service einzelner Anwendungen rechnen. Der Store prüft zudem selbstständig auf Aktualisierungen, auch wenn kein Nutzer angemeldet ist. Für webbasierte Anwendungen wie Word und Excel im Browser behält sich Microsoft ausdrücklich vor, Änderungen ohne vorherige Zustimmung einzuspielen.
Sprachlich rückt der Konzern den KI-Assistenten Copilot weiter ins Zentrum. Wo im alten Vertrag von „Erfahrungen mit Copilot KI“ die Rede war, steht künftig schlicht „Copilot“. Der Fachblog Deskmodder liest die Kürzung als Aufwertung: Copilot sei nicht länger eine Zusatzfunktion, sondern integraler Teil der Microsoft-Welt. Neu ist auch ein Abschnitt mit Nutzungsbeschränkungen für KI-Dienste, der missbräuchliche Verwendung, Falschinformationen und diskriminierende Inhalte untersagt.
Für Vielsammler beim Bonusprogramm Rewards hebt Microsoft die jährliche Einlösegrenze deutlich an: statt bislang 550.000 dürfen Nutzer künftig bis zu 1.550.000 Punkte einlösen, sofern die Punkte für hauseigene Produkte oder Dienste verwendet werden. Höhere Schwellen behält sich der Konzern im Einzelfall vor.
Widerspruch nicht vorgesehen
Bemerkenswert ist weniger, was im Vertrag steht, als wie er in Kraft tritt. Ein klassisches Widerspruchsrecht sieht Microsoft nicht vor. Wer die neuen Bedingungen ablehnt, dem bleibt laut Konzern nur, sein Microsoft-Konto vor dem 30. September zu schließen und Windows-, Office- oder Xbox-Dienste anschließend nicht mehr zu nutzen. Für die zweistellige Millionenzahl deutscher Privatnutzer ist die Änderung damit weniger eine Wahl als eine Frist.
Kritisch sehen das nicht nur Verbraucherschützer. In den Kommentarspalten von Fachportalen wie Dr. Windows regt sich Unmut darüber, dass die Zustimmung faktisch erzwungen sei: Wer Windows oder Office beruflich nutze, könne sich der Änderung praktisch nicht entziehen. Microsoft selbst nennt die Anpassungen in den offiziellen Vertragsunterlagen lediglich Klarstellungen, die die Bestimmungen übersichtlicher gestalten sollen.