Als Jürgen Klopp am Donnerstagabend in der Allianz Arena in der 76. Minute auswechseln ließ, war die Partie längst entschieden. Deutschland führte 2:0 gegen Serbien, Tom Bischof kam vom Platz, Mika Baur kam herein - und die DFB-Geschichtsschreibung ging einen Schritt weiter. Der 22-jährige Mittelfeldspieler von Celtic Glasgow ist seitdem der 1000. A-Nationalspieler in der Historie des Deutschen Fußball-Bundes.
Dass dieser Moment ausgerechnet Baur zufiel, ist kein Zufall mehr. Klopp hat seit seinem Amtsantritt in nur drei Länderspielen neun Debütanten eingesetzt; vor seiner Zeit hatten 991 Spieler für die A-Elf gespielt, wie der DFB nachhielt. Allein in München debütierten gegen Serbien gleich fünf Profis: Keeper Jonas Urbig, der Freiburger Derry Scherhant und Köln-Angreifer Saïd El Mala als Nummer 999 vor Baur, dazu Brentford-Mittelfeldspieler Vitaly Janelt. Der Celtic-Profi sprang über die runde Zahl.
Dass er in diesem Moment auf dem Platz stand, hatte Baur selbst nicht sofort begriffen. „Der Puls war hoch, aber dann ging es“, sagte er dem ZDF nach dem Schlusspfiff. Die Einwechslungsanweisung habe er zunächst akustisch gar nicht richtig verstanden. Von seinem Status als 1000. Nationalspieler erfuhr er erst nach dem Abpfiff. „Es ist immer noch surreal“, so Baur weiter. „Die Mannschaft war von der ersten bis zur letzten Minute unglaublich. Das war heute für jeden ein Highlight, nicht nur für mich mit meinem Debüt.“
Der Puls war hoch, aber dann ging es. Es ist immer noch surreal.
Vom Bodensee über Freiburg nach Glasgow
Geboren wurde Mika Joel Baur am 9. Juli 2004 in Salem im Bodenseekreis. Er stammt aus einer deutsch-madagassischen Familie und wuchs im Sport auf: Vater Markus Baur, Weltmeister mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft 2007 und Olympia-Silbermedaillengewinner 2004, war später Trainer der Kadetten Schaffhausen. Sein Schwester Chiara spielt Handball. Fußballerisch durchlief Mika Baur die Jugend des VfB Stuttgart und des SC Freiburg, spielte zuletzt für die Reserve der Breisgauer, wurde über den SC Paderborn und ein Leihjahr bei Dynamo Dresden immer sichtbarer.
Im August 2026 wechselte er nach Glasgow und unterschrieb bei Celtic einen Vierjahresvertrag. Nur zwei Tage nach seinem Transfer debütierte er bereits in der schottischen Liga, Klopp hatte ihn danach erstmals in den Kader berufen. Dass sein Vater beim Debüt in München nicht im Stadion war, holt die Familie nach: Nach eigenen Angaben plant Markus Baur den Weg nach Thessaloniki, wo die DFB-Elf am Sonntag gegen Griechenland antritt. Sein Trikot vom Serbien-Spiel, kündigte Mika Baur an, werde zu Hause gerahmt.
Der erste deutsche Nationalspieler überhaupt war Torhüter Fritz Baumgarten vom BFC Germania 1888, der am 5. April 1908 beim 3:5 gegen die Schweiz zwischen den Pfosten stand. Von Baumgarten bis Baur sind es 118 Jahre und vier Monate. Dass die Nummer 1000 unter Klopp fällt und auf einen Mittelfeldspieler aus Salem, der bei Celtic Glasgow unter Vertrag steht, zeigt, wie weit sich die deutsche Fußballnation in dieser Zeit aufgefächert hat.